Radikalumbau bei TUI Neue Flieger, neue Kreuzfahrtschiffe, weniger Mitarbeiter

Bei TUI wird kräftig umstrukturiert: Der Konzern will im Tourismusgeschäft massenweise Stellen abbauen und das gesamte Konzept verändern. Für eine neue Fluggesellschaft werden jetzt erst einmal 65 Boeing-Jets gekauft. Zudem will TUI eine Kreuzfahrttochter für das Massengeschäft gründen.


Hamburg - TUI plant vor allem einen radikalen Umbau der Touristiksparten: Zunächst sollen die deutschen Fluglinien HLX und HLF zusammengehen, ab 2008 auch die anderen europäischen Flugtöchter. Über das Onlineportal TUIfly.com sollen ab 2007 außerdem nach und nach alle Fluggesellschaften gemeinsam vermarktet werden, hieß es weiter. Denn der Konzern will stärker aufs Internet setzen: In den kommenden drei Jahren soll dort ein jährlicher Umsatzzuwachs von 50 Prozent erzielt werden. Am Ende soll mehr als ein Viertel des Umsatzes über das Internet erzielt werden. Derzeit sind es 18 Prozent.

Tui-Flieger: Auch ein neues Kreuzfahrtschiff wird angeschafft
AP

Tui-Flieger: Auch ein neues Kreuzfahrtschiff wird angeschafft

Gleichzeitig will der Konzern bis 2013 die Flugzeugflotte erneuern. Dafür werden 65 Maschinen von Boeing Chart zeigen gekauft. Die Jets im Wert von rund zwei Milliarden Euro würden ab 2010 ausgeliefert, teilte TUI in Hamburg mit. Sie sollen nach Möglichkeit außerhalb der Bilanz verbucht werden, deshalb wird die Gründung einer Leasinggesellschaft geprüft, an der TUI eine Minderheitsbeteiligung übernehmen würde.

Darüber hinaus will der Konzern ins boomende Massengeschäft mit Kreuzfahrten groß einsteigen. Dazu soll mit dem Weltmarktführer Carnival - der unter anderem die Aida-Schiffe betreibt - ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden. Eine Absichtserklärung sei schon unterzeichnet. An dem Joint Venture will sich TUI ab kommendem Jahr mit zunächst fünf Prozent beteiligen. Bis 2010, wenn das erste Schiff mit 3000 Betten geliefert sei, solle der TUI-Anteil auf 25 Prozent steigen, sagte Konzernchef Michael Frenzel in Hamburg. Die Beteiligung lässt sich das Unternehmen insgesamt 300 Millionen Euro kosten. Die neue Marke soll den Namen TUI Cruises tragen.

Auch an der deutschen Carnival-Tochter Aida wird TUI beteiligt. "Aida wird einer der bevorzugten Partner für uns", sagte Frenzel. Bislang betreibt der TUI-Konzern in Deutschland bei seiner Tochter Hapag-Lloyd vier Kreuzfahrtschiffe im Luxussegment. Hinzu kommen bei der britischen Tochter Thomson Cruises fünf Kreuzfahrtschiffe für den Massenmarkt.

Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

Parallel zu diesem Konzernumbau plant der Reise- und Schifffahrtskonzern ein rigides Sparprogramm, im Rahmen dessen bis 2008 insgesamt 3600 Stellen gestrichen werden sollen. Allein in Deutschland fallen 400 Jobs weg, am stärksten betroffen ist allerdings Großbritannien, wo 2600 Arbeitsplätze abgebaut werden. "Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen", sagt eine Sprecherin von TUI in diesem Zusammenhang zu SPIEGEL ONLINE - auch wenn man sich natürlich um sozialverträgliche Lösungen bemühe. Außerdem würden in anderen Bereichen weltweit auch 3300 neue Jobs geschaffen, davon einige hundert in Deutschland.

Der Aufsichtsrat des Touristikunternehmens hatte diesen Plan gestern Abend gebilligt und eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr ausgesprochen. Vorgesehen seien bis 2008 Kosteneinsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro, hatte das Unternehmen in einer Börsenpflicht-Mitteilung bekannt gegeben. Die Sachkosten sollten um rund 150 Millionen Euro und die Personalkosten um etwa 100 Millionen Euro gesenkt werden. Die voraussichtlichen Restrukturierungskosten in Höhe von etwa 140 Millionen Euro sollten so weit wie möglich im laufenden Jahr in der Bilanz berücksichtigt werden.

An seinen beiden Kerngeschäftsfeldern Tourismus und Schifffahrt hält der Konzern jedoch fest. Man habe sich entschlossen "sich im aktuellen Umfeld nicht von der Schifffahrt zu trennen", sagte Frenzel. Finanzinvestoren hatten zuvor die Abspaltung der Schifffahrtstochter Hapag Lloyd verlangt. Zwei Kerngeschäftsfelder böten die Chance, die Volatilitäten aus der Geschäftsentwicklung auszugleichen, begründete Frenzel die Entscheidung, dieser Forderung nicht nachzukommen. Die Beibehaltung beider Sparten sorge langfristig für eine stabile Ergebnisentwicklung.

ase/dpa-AFX/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.