Verschrottung der "Rainbow Warrior II" Wo die Umweltliebe von Greenpeace endet

Greenpeace hat zugelassen, dass das frühere Kampagnenschiff "Rainbow Warrior II" in Bangladesch abgewrackt wird. Jetzt liefert sich die Organisation einen Streit mit anderen Umweltschützern, die gegen umweltfeindliche Verschrottung kämpfen.
Unter dem Namen "Rongdhonu" (Regenbogen) war das Ex-Greenpeace-Schiff in Bangladesch im Einsatz

Unter dem Namen "Rongdhonu" (Regenbogen) war das Ex-Greenpeace-Schiff in Bangladesch im Einsatz

Foto: STRINGER/ AFP

Es ist eine unangenehme Geschichte für die weltweit größte Umweltschutzorganisation, vielleicht ist sie deshalb so zögerlich damit, Informationen über den Vorgang zu veröffentlichen und auf Anfragen zu antworten.

Im November hatte Greenpeace eingeräumt , dass das frühere Kampagnenschiff "Rainbow Warrior II" zum Abwracken am Strand von Chittagong im Osten von Bangladesch gelandet ist. Es ist einer der schlechtesten Orte, um ein Schiff in seine Einzelteile zu zerlegen. Die Arbeitsbedingungen sind ebenso katastrophal wie der Umweltschutz.

Zwar hatte Greenpeace das Schiff schon 2011 der befreundeten Organisation Friendship in Bangladesch gespendet. Allerdings hatte Greenpeace sich für die Entsorgung des auf "Rongdhonu" (Regenbogen) umgetauften Schiffes eigens ein Veto zusichern lassen - damit die Ex-Rainbow-Warrior-II eben nicht auf einem der größten Schiffsfriedhöfe weltweit landet.

Schiffswracks am Strand von Chittagong (Bangladesch)

Schiffswracks am Strand von Chittagong (Bangladesch)

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Erst nach mehreren SPIEGEL-Nachfragen räumte Greenpeace ein, dass Friendship durchaus wissen wollte, ob es Einwände gegen die Abwrackung in Chittagong gebe. Das habe man verneint, schreibt Greenpeace-Sprecher Mike Townsley, aber darauf bestanden, "dass während der Demontage auf der Werft keine Verunreinigung der Gezeitenzone stattfindet".

Ein grober Fehler, findet die Shipbreaking Platform , eine Organisation mit Sitz in Brüssel, die gegen das wilde Abwracken von Schiffen an Stränden in Bangladesch, Indien oder Pakistan kämpft und die Reeder zur Verantwortung ziehen will.

Die Organisation war es auch, die bei Greenpeace nachhakte und die Umweltschutzorganisation schließlich zum Handeln zwang - zu spät. "Wir haben versucht, das Schiff zurückzukaufen", so Townsley, aber "der geforderte Preis von zehn Millionen Dollar lag beim Vierzigfachen des Wertes" - nicht inbegriffen der Transport und die Verschrottung an einem anderen Ort. Zumal unklar sei, ob man die notwendigen Dokumente bekommen hätte, um das Schiff aus dem Land zu bringen.

Unverständnis bei einem möglichen früheren Greenpeace-Partner

Die Gründerin und Chefin der Shipbreaking Platform, Ingvild Jenssen, äußert sich unmissverständlich zu dem Fall: "Greenpeace kennt das Thema sehr gut", schreibt sie dem SPIEGEL, "die Genehmigung, das Schiff am Strand von Chittagong zu verschrotten, widerspricht vollständig den Grundsätzen von Greenpeace zum Gifthandel und umweltgerechter Bewirtschaftung". Greenpeace habe einen "Riesenfehler" gemacht. Jenssen ist auch deshalb entsetzt, weil die beiden Organisationen eng zusammenarbeiten - jetzt habe man die Mitgliedschaft von Greenpeace wegen des Falls ausgesetzt.

Greenpeace-Sprecher Townsley besteht darauf, dass seine Organisation kein Mitglied der Shipbreaking Platform sei und auch kein Partner. Allerdings wurde Greenpeace jahrelang auf der Website als Mitglied geführt  und erst jetzt entfernt.

Screenshot der Mitgliederliste der Shipbreaking Platform (Stand: Mai 2018)

Screenshot der Mitgliederliste der Shipbreaking Platform (Stand: Mai 2018)

Foto: shipbreakingplatform.org

Wie auch immer der Streit ausgeht, die "Rainbow Warrior II" dürfte mittlerweile schon vollständig zerlegt sein. Mitte Februar war Townsley zufolge ein Mitarbeiter der Organisation Friendship auf der PHP-Werft (Abkürzung für Peace, Happiness, Prosperity) in Chittagong, um sich über den Stand der Verschrottung zu informieren. Demnach seien alle gefährlichen Stoffe entfernt und gemäß den "von der Regierung von Bangladesch genehmigten Richtlinien" eingelagert worden. Unfälle oder andere Vorfälle seien nicht vorgekommen. Mit Greenpeace hätten die Werftbesitzer nicht sprechen wollen.

Weitere Einzelheiten nannte die Umweltschutzorganisation nicht - und gibt sich, als hätte sie nichts weiter mit dem Fall zu tun. Man nehme zur Kenntnis, dass Greenpeace seinen Fehler zugegeben hat, schreibt Jenssen von der Shipbreaking-Platform, stellt aber die Umweltorganisation auf eine Stufe mit anderen Schiffsbesitzern: "Nicht viele Reeder, die wir mit ihrer Abwrackpraxis konfrontieren, erkennen ihre Verantwortung an." Wichtig sei nun, dass Greenpeace transparent aufkläre und "sicherstellt, dass so etwas nie wieder passiert".

Immerhin: Jetzt hat sich Greenpeace dazu verpflichtet, mit der Shipbreaking Platform "ein neues Recyclingkonzept zu entwickeln, das verantwortungsbewusstes Handeln auch bei kommerziellen Reedern inspirieren kann und sollte".

Dann werden vielleicht die "Rainbow Warrior III" und die vielen anderen Schiffe der Greenpeace-Flotte künftig mit weniger Schäden für die Umwelt und die beteiligten Arbeiter entsorgt.

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