Raketenabwehr USA verweigern deutschen Firmen Einblicke in MEADS

Das transatlantische Verhältnis wird einmal mehr auf die Probe gestellt. Die USA sind bei der Entwicklung des umstrittenen Raketenabwehrsystems MEADS nicht bereit, der deutschen Industrie Einblick in die Schlüsselkomponenten zu gewähren.


Waffensystem MEADS (Prototyp): Deutsche sollen kaufen

Waffensystem MEADS (Prototyp): Deutsche sollen kaufen

Hamburg - Die USA planen in Zusammenhang mit der Raketenabwehr MEADS nur einen eingeschränkten Technologietransfer nach Europa. Statt gemeinsamer Entwicklung und Produktion des Gesamtsystems sei "der Kauf von wichtigen Hauptkomponenten oder Bauteilen vorgesehen", zitiert die "Financial Times Deutschland" aus einem Bericht des Bundesrechnungshofes an den Haushaltssausschuss des Bundestags.

Der Rechnungshofbericht steht damit im Widerspruch zu Äußerungen aus dem europäischen Luftfahrtkonzern EADSChart zeigen. "MEADS gibt uns die Chance, bei Schlüsseltechnologien auf Augenhöhe mit den USA zu bleiben", hatte Rüstungsvorstand Thomas Enders erklärt. Es sei "das bedeutendste transatlantische Rüstungsprojekt seit den achtziger Jahren". Mit der Bedeutung für die transatlantische Rüstungskooperation hat auch das Bundesverteidigungsministerium zuletzt für MEADS argumentiert.

Das Gemeinschaftsprojekt soll etwa 2012 das aus den sechziger Jahren stammende Patriot-Abwehrsystem ablösen. Projektführer ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Von deutscher Seite ist das zum EADS-Konzern gehörende Lenkwaffenunternehmen LFK und aus Italien MBDA beteiligt.

MEADS soll angreifende Raketen, Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen mit einer Reichweite von rund 1000 Kilometer bekämpfen. Der deutsche Anteil an den Entwicklungskosten beträgt 847 Millionen Euro. Das Bundesverteidigungsministerium plant die Beschaffung von zwölf Einheiten, was rund 2,85 Milliarden Euro kosten soll.



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