Rauschgetränk Indianer produzieren "echte Cola"

Indianer in einem abgelegenen Bergdorf im Süden Kolumbiens brauen neuerdings ein Getränk, das angeblich auf das Ur-Rezept von Coca Cola zurückgeht. Es enthält Extrakte aus Koka-Blättern - und soll demnächst landesweit verkauft werden.


Hamburg - Das Zeug sprudelt und schmeckt nach Zitrone. Und es löscht nicht nur den Durst. Denn Coca-Sek, wie die Indianer ihre Brause nennen, enthält einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge einen Sirup, der aus Koka-Blättern gekocht wird - jener Pflanze, aus der auch Kokain hergestellt werden kann. Der Durst ist weg, die Dröhnung kommt.

Koka-Blätter: Kekse, Tee, Salben - und jetzt wieder Limonade
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Koka-Blätter: Kekse, Tee, Salben - und jetzt wieder Limonade

Die Nasa-Indianer verkaufen das Getränk in ihrem eigenen kleinen Ort Inza sowie im Nachbardorf Popayan, wo die berauschende Limonade in Flaschen abgefüllt wird. Zum Jahresende, heißt es in dem Bericht, hoffen die Indianer, Coca-Sek in ganz Kolumbien verkaufen zu können. Zielgruppe seien die Konsumenten von belebenden Getränken wie "Gatorade" oder "Red Bull", heißt es in dem Bericht.

Doch womöglich wird nichts daraus. Die kolumbianische Regierung, die seit 1999 vier Milliarden Dollar von den USA zur Drogen- und Terrorismusbekämpfung erhalten hat, sieht die Entwicklung der Koka-Pflanze zum Massenkonsumgut kritisch. Ein Gesetz erlaubt die Verwendung der Pflanze nur zu traditionellen, nicht aber zu kommerziellen Zwecken. Zudem befürchten die Behörden, durch den kommerziellen Koka-Anbau könnte auch die Drogenproduktion wieder zunehmen.

Regierung drohte - und zog Drohung zurück

Die Regierung drohte, die Abfüllanlage in Popayan zu schließen und sämtliche Flaschen zu beschlagnahmen. Doch die Nasa wandten sich an die Vertreter der eingeborenen Stämme, die immerhin 1,2 Millionen Menschen in Kolumbien vertreten. Diese setzten sich für eine Betriebserlaubnis ein. Die Regierung nahm die Drohung zurück - in diesem Jahr wird in Kolumbien gewählt.

Die Nasa beanspruchen das Recht für sich, die Koka-Limonade sowie andere Koka-Produkte landesweit vermarkten zu dürfen. Seit Jahren produzieren und verkaufen sie - bislang mehr oder weniger heimlich - Kekse, Tee, Wein und Heilsalben aus der Pflanze in ihrer Region. Das Kauen von Koka-Blättern ist in ihrem Stamm - wie bei vielen Indianern - eine alte Tradition.

Durch das Getränk hoffen die Nasa auf Einnahmen für die rund 4000 Familien ihres Stammes. Sie setzen auf den Vergleich ihres Produktes mit dem des US-Getränkeriesen Coca Cola, das seit 1905 auf die Koka-Pflanze als Zutat verzichtet, sowie auf Unterstützung durch Boliviens neuem Präsidenten Evo Morales, einem früheren Koka-Bauern, der die Herstellung von Koka-Produkten befürwortet.

"Koka erlaubt es dem Menschen, mit der Natur, und der Natur, mit dem Menschen zu kommunizieren", sagt der Nasa Fabiola Pinacue der "Los Angeles Times". Die großen Getränkeabfüller in Kolumbien sehen das anders. Sie lehnen es ab, Coca-Sek abzufüllen.

kaz



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