Razzia nach Dioxin-Skandal Staatsanwaltschaft durchsucht Futterfirma

Im Skandal um Dioxin in Tierfutter schaltet sich die Justiz ein: Bei einer Razzia wurden zwei Standorte der Firma Harles & Jentzsch durchsucht - sie soll 3000 Tonnen verseuchtes Futterfett ausgeliefert haben. Die Ermittler wollen Beweise sichern.
Harles-&-Jentzsch-Betriebsgelände in Uetersen: Beweismittel sicherstellen

Harles-&-Jentzsch-Betriebsgelände in Uetersen: Beweismittel sicherstellen

Foto: CHRISTIAN CHARISIUS/ REUTERS

Uetersen - Für den Futterhersteller Harles & Jentzsch wird der Dioxin-Skandal zu einem ernsthaften Problem: Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten am Mittwochmittag das Betriebsgelände am Standort Uetersen, um Beweismittel sicherzustellen. Auch eine Tochterfirma im niedersächsischen Bösel war von der Razzia betroffen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte SPIEGEL ONLINE entsprechende Informationen der Nachrichtenagentur dpa.

An den zwei Standorten fuhren am Mittag Polizisten und zivile Ermittler in mehreren Fahrzeugen vor. In Bösel betreibt Harles & Jentzsch ein Tanklager und eine Futterfett-Rührstation.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen die Leitung des Unternehmens wegen Verstoßes gegen das Futtermittelrecht. Das Unternehmen soll technische Mischfettsäuren, die für die Papierherstellung bestimmt waren, für Futtermittel verwendet haben.

Bis zu 3000 Tonnen verseuchtes Futterfett wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums bei dem Unternehmen im November und Dezember hergestellt und gingen an 25 Futtermittelhersteller in mindestens vier Bundesländern.

Anders als zunächst angenommen, wurden auch Agrarbetriebe in Schleswig-Holstein mit belastetem Futter beliefert. Es kam von einem Hamburger Händler, der Vorprodukte aus Uetersen bezogen hatte.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat bestätigt, dass Anfang Dezember 136.000 verdächtige Eier in die Niederlande geliefert wurden. Die Eier wurden am 3. und 5. Dezember von einer Firma in Sachsen-Anhalt an ein Unternehmen im niederländischen Barneveld geliefert. Der betroffene Betrieb in Sachsen-Anhalt darf vorerst keine Eier mehr ausliefern.

Eierverkauf geht deutlich zurück

Allerdings hat die Bundesregierung im Dioxin-Skandal vor Schnellschüssen gewarnt. "Wir kennen nicht die Ursache für die Dioxinkontamination", sagte der Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Es gelte jetzt, die Ströme der betroffenen Futtermittel nachzuvollziehen. Möglicherweise belastete Lebensmittel seien bereits aus dem Handel geholt worden oder würden noch entfernt.

Der Genuss von Eiern stelle keine akute Gesundheitsgefahr dar, betonte der Sprecher. Es wäre "völlig überzogen", jetzt auf den sämtlichen Genuss von Eiern und Fleisch zu verzichten. "Klar ist aber auch, diese Produkte müssen aus dem Verkehr gezogen werden", betonte der Sprecher von Ministerin Ilse Aigner (CSU). Mit den Ländern solle geprüft werden, ob es für die Hersteller Verschärfungen der Kontrollen geben muss.

Trotz aller Beruhigungen reagieren die Verbraucher bereits: Der Verkauf von Hühnereiern ist als Folge des Skandals "spürbar" gesunken - zu diesem Ergebnis kommt die landwirtschaftliche Marktberichterstattungsstelle MEG.

Das genaue Ausmaß werde zwar erst in einigen Wochen bekannt sein. "Es gibt aber auf jeden Fall eine Verunsicherung der Verbraucher", sagte MEG- Expertin Margit Beck. Dieses Ergebnis habe eine aktuelle Befragung von Eiervermarktern erbracht. Die Expertin sprach von einer "aktuellen Unwucht in den Absätzen".

Gesunken sei auch der Preis, den Händler derzeit mit Hühnereiern erzielen könnten: "Das ist zwar in der ersten Woche eines neuen Jahres normal. Der Rückgang dürfte in dieser Woche aber stärker als üblich ausgefallen sein."

Positiv für die Vermarkter von Hühnereiern sei, "dass Eier ein alternativloses Lebensmittel sind: Die Kunden können nicht wie beim Fleisch einfach auf andere Sorten ausweichen", sagte Beck. Die Bonner MEG Marktinfo Eier & Geflügel ist ein Anbieter für Markt- und Preisberichterstattung.

yes/böl/dpa
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