Reaktion auf Hurrikan US-Regierung zapft ihre Ölreserve an

Angesichts der Verheerungen durch "Katrina" will die US-Regierung ihre strategische Ölreserve antasten. Der Ölpreis geht leicht zurück. Die Ratingagentur S&P prognostiziert, dass das Wachstum der US-Wirtschaft sich wegen der Hurrikan-Folgen verlangsamen wird.


Washington - US-Energieminister Sam Bodman sagte in einem Interview des Finanz-Fernsehsenders CNBC, die Regierung habe sich bereits am Abend entschieden, die strategischen Reserven anzutasten. Weitere Details würden im Verlauf des Tages bekannt gegeben. In der Ölreserve, die für geopolitische Krisenfälle gedacht ist, befinden sich derzeit rund 600 Millionen Barrel Öl.

Monströses Sturmopfer: Vor der Küste Alabamas ist eine Ölförderanlage gestrandet
AP

Monströses Sturmopfer: Vor der Küste Alabamas ist eine Ölförderanlage gestrandet

Die USA wollen mit der Entscheidung die Produktionsausfälle ausgleichen, die durch die Auswirkungen des Hurrikans "Katrina" im Golf von Mexiko entstanden sind. Ein Sprecher des Energieministeriums erklärte, die ersten Anfragen der Raffinerien würden noch am Mittwoch genehmigt. Das Öl könne dann Donnerstag ausgeliefert werden.

Der US-Ölpreis ist nach der Ankündigung zeitweise unter die Marke von 69 Dollar gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI wurde um am frühen Nachmittag deutscher Zeit mit 69,80 Dollar gehandelt. Das waren zehn Cent weniger als zum Handelsschluss gestern. Im US-Handel war der Ölpreis am Dienstag in Folge des Hurrikans mit 70,90 Dollar auf einen neuen Rekordstand gestiegen.

S&P: US-Wirtschaftswachstum wird sinken

Nach Angaben der US-Behörden wurden im Golf von Mexiko mehr als 700 Ölförderstätten geschlossen. Am Anfang war nur von 22 Plattformen und Bohrtürmen die Rede gewesen. Aus der Region stammt normalerweise ein Viertel der gesamten Benzin- und Heizölproduktion der USA. Die Ölkonzerne Exxon Mobil Chart zeigen und Royal Dutch Shell Chart zeigen beklagen derzeit allerdings vor allem die Versorgungsprobleme in Folge der Stromausfälle auf dem Festland. Die Schäden konnten die Konzerne noch nicht genau beziffern.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's wird "Katrina" das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal niedriger ausfallen lassen. Bislang prognostizierte die Agentur ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 3,7 Prozent. Besonders die Entwicklung des Tourismus sowie der Land- und der Bauwirtschaft werde von Juli bis September von dem Sturm gebremst werden. In den Folgequartalen könne das Wachstum aber auf Grund von Investitionen für den Neubau von Infrastruktur stärker ausfallen als bisher angenommen.

Insgesamt sind die verursachten Schäden nach wie vor nur schwer abschätzbar. Das Bankhaus Helaba Trust spricht von Schäden in Höhe von neun Milliarden bis 25 Milliarden Dollar. Da insbesondere die Belastungen durch Überflutungen und die Schäden an Industrieanlagen bislang kaum absehbar seien, sei der Mittelwert von 16 Milliarden Dollar allerdings sehr unsicher.

Der Sturm dürfte in der Versicherungsbranche die Rückversicherer am stärksten belasten. Der weltgrößte Rückversicherer, die Münchener Rück, die den Gesamtschaden auf 15 Milliarden bis 20 Milliarden Dollar schätzt, erwartet für sich selbst Belastungen von bis zu 400 Millionen Euro brutto. Die Hannover Rück konnte noch keine Angaben zur erwarteten Schadenssumme machen. Die Situation vor Ort sei so unklar, dass niemand sagen könne, wie hoch der Schaden wirklich sei, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.





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