Reaktionen "Den Wölfen zum Fraß vorgeworfen"

Wut und Enttäuschung machen sich nach der BMW-Entscheidung in Großbritannien breit. Die Transportgewerkschaft drohte mit Streik und Blockade von BMW-Verkaufsstellen im Königreich.


London - Der Bürgermeister von Birmingham, Albert Bore, sagte: "Ich kann nicht glauben, dass diese Entscheidung getroffen wurde und dass Longbridge, wo das größte Rover-Werk steht, den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird."

"BMW hat seine Versprechungen gebrochen und seine Verantwortung nicht übernommen", sagte der Vorsitzende der Transport and General Workers Union (T&G), Tony Woodley. "Wir sind extrem schockiert, verärgert und enttäuscht. Longbridge wird an eine Gruppe von Amateuren verkauft." Innerhalb der nächsten Tage werde über einen Streik bei Rover entschieden. "Ich schließe keine Möglichkeit aus. Die Mitarbeiter werden das so nicht akzeptieren", so der Gewerkschaftsboss.

Eine Möglichkeit sei auch, jede einzelne BMW-Vertriebsstelle in Großbritannien abzuriegeln, drohte Woodley. "Im schlimmsten Fall werden wir alles tun, was wir tun können, um als britische Bürger, als britische Arbeiter unsere Betriebe zu schützen." Die Arbeiter würden dann versuchen "BMW zu treffen, wo immer man BMW treffen kann".

Der Generalsekretär der Amalgamated Engineering and Electrical Union, Sir Ken Jackson, bezeichnete das Vertrauen der Beschäftigten in die Verlässlichkeit von unternehmerischen Absichtserklärungen als "schwer erschüttert". Man dringe darauf, so rasch wie möglich mit Alchemy über deren Pläne für Rover zu sprechen.

Der britische Industrieminister Stephen Byers beklagte "Kommunikationsprobleme" zwischen der Regierung und BMW. "Man kann vernünftigerweise nicht bestreiten: Es gab Schwierigkeiten, klare und verlässliche Informationen zu bekommen." Rover und Longbridge litten unter einem Mangel an Investitionen während der vergangenen 20 Jahre.

Der konservative Oppositionsführer William Hague machte die Regierung für den BMW-Rückzug verantwortlich: "Die britische Wirtschaft und die Beschäftigten von Rover brauchen dringend eine Regierung, die nicht nur unternehmensfreundlich redet, sondern die auch die unternehmensfeindliche Politik von höheren Steuern, mehr Gewerkschaftsmacht und mehr Bürokratie beendet."

Der frühere Finanzstaatssekretär und einstige Jaguar-Chef Geoffrey Robinson sagte, BMW sei an den Problemen mit Rover selbst schuld: "BMW ist unübertroffen hinsichtlich Qualität, Marketing und Flair. Nichts davon ist an Rover übergegangen. Sie haben nicht ihr Bestes versucht."



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