Reaktionen Himmelhoch jauzend, zu Tode betrübt

Politische Vertreter der "Nordländer", die von der geplanten Trasse des Transrapid hätten durchschnitten werden sollen, haben sich bedauernd über die Entscheidung in Frankfurt geäußert. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Simonis ruft nun nach dem Ausbau der ICE-Strecke Hamburg-Berlin, Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe drängt auf den Bau einer Autobahn. Nur der BUND feiert das "Aus".


Heide Simonis will eine schnelle Trasse Hamburg-Berlin: Wenn nicht Transrapid, dann eben ICE
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Heide Simonis will eine schnelle Trasse Hamburg-Berlin: Wenn nicht Transrapid, dann eben ICE

Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) hat nach dem Aus für die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin gefordert, die dafür eingeplanten Mittel in Norddeutschland zu investieren. "Der weitere Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Norden ist dringend erforderlich und war jahrelang von der ehemaligen Bundesregierung zurückgestellt worden", sagte sie am Samstag. Aus der Sicht des Landes müsse eine ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke von Hamburg nach Berlin ebenso schnell kommen wie die Elektrifizierung der Bahnstrecke Lübeck-Hamburg.

Nach Angaben von Simonis haben sich die Regierungschefs der Nord-Länder bei ihrem Treffen am 20. Januar auf eine solche Forderung verständigt. Dafür werde der Norden bei der Bundesregierung gemeinsam kämpfen.

Der Verzicht auf das Transrapid-Projekt auf der Strecke Berlin-Hamburg ist nach Ansicht von Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) auch eine Absage an den Aufbau-Ost. Stolpe erklärte am Samstagabend, für die ohnehin benachteiligte Region Prignitz hätte der Bau des Transrapid einen entscheidenden Entwicklungsschub bedeutet.

Manfred Stolpe befürchtet Standortnachteile
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Manfred Stolpe befürchtet Standortnachteile

"Ich erwarte nun dringend, dass endlich über den Bau der Autobahn Altmark-Prignitz (A 14) entschieden wird", sagte Stolpe. Diese Autobahn wäre nach seiner Ansicht eine wirksame Unterstützung zur Entwicklung der Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Offen erfreut begrüßten hingegen Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz für Deutschland (BUND) die Entscheidung gegen den Bau der Transrapidstrecke Hamburg-Berlin. In einer Erklärung von BUND-Sprecher Martin Schlegel heißt es, seine Organisation hoffe, dass die Entscheidung ein Signal für eine neue Bahnpolitik bedeutet.

Von dem in Frankfurt bei einem Spitzentreffen zwischen Bundesregierung, Bahn und möglichen Betreibern beschlossenen Aus für das Projekt profitiere auch die Umwelt, betonte der BUND: Die geplante Betontrasse hätte zum Teil wertvolle Biotope durchschnitten. Bei Anwohnern und Bürgerinitiativen entlang der Strecke gebe es nun ein Aufatmen.



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