"Stimmt's oder hab ich Recht?" So verleihen Sie Ihre Sachen, ohne sie zu verlieren

Das Haustier war während des Urlaubs in einer Pension - doch zwischenzeitlich ist es verkauft worden. Was nun? Wem gehört das Tier und welche Chancen haben Sie, es zurückzubekommen?

Während Ihres Urlaubs haben Sie Ihren Hund bei einem Kollegen in Pension gegeben. Als Sie zurückkommen, bedauert der: "Der ging mir nach drei Tagen so auf die Nerven, dass ich ihn meiner Nichte verkauft habe." Die Nichte will ihren neuen Liebling auf keinen Fall wieder hergeben - immerhin wusste sie ja nicht, dass das Ihr Hund war.

Wem gehört der Hund nun?

Tiere sind keine Sachen. Für sie gibt es eigene Schutzgesetze - aber die sagen nichts darüber, wem das Tier gehört. In dieser Frage behandelt das Gesetz die Tiere wie Sachen. An einem Hund können Sie also nach denselben Regeln Eigentum erwerben und verlieren wie an einer Hundeleine.

Ursprünglich hat der Hund einmal Ihnen gehört. Und sein Eigentum kann man zunächst dadurch verlieren, dass man es selbst jemand anderem überträgt.

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Stimmt's oder hab ich Recht?

Welche Gesetze Sie unbedingt kennen müssen, um nicht für dumm verkauft zu werden.

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Eigentum an einer beweglichen Sache können Sie übertragen, indem Sie die Sache jemand anderem übergeben und sich darüber einigen, dass der andere der neue Eigentümer sein soll. Bei unbeweglichen Sachen wie Grundstücken, Häusern oder Wohnungen müssen Sie den neuen Eigentümer ins Grundbuch eintragen.

Übergeben haben Sie den Hund an Ihren Kollegen. Allerdings haben Sie sich gerade nicht darüber geeinigt, dass der Hund ihm auch gehören soll - sondern nur darüber, dass er ihn während Ihres Urlaubs versorgt. Die zweite Voraussetzung für eine Eigentumsübertragung ist damit nicht erfüllt, und Sie haben Ihr Eigentum noch nicht verloren.

Der Nichte selbst haben Sie den Hund weder übergeben, noch sich mit ihr darüber geeinigt, dass er ihr gehören soll. Auch ihr haben Sie das Eigentum also nicht übertragen.

Eigentum, das man nicht hat, kann man nicht übertragen

Aber damit sind wir noch nicht alle Möglichkeiten durchgegangen. Vielleicht hat ja Ihr Kollege seiner Nichte das Eigentum an Ihrem Hund übertragen: Er hat ihr den Hund übergeben. Und er hat sich mit ihr darüber geeinigt, dass der Hund ihr gehören soll. Beide Voraussetzungen sind erfüllt!

Natürlich hat die Sache einen Schönheitsfehler: Ihr Kollege hatte selbst vorher kein Eigentum an dem Hund. Und grundsätzlich kann man Eigentum, das man selbst nicht hat, auch nicht übertragen.

Doch gelten die Nichtentränen nichts? Die Arme hat sich ja wirklich nichts vorzuwerfen.

So sieht es in der Tat auch das Gesetz: Die Nichte ist wirklich die neue Eigentümerin Ihres Hundes geworden! Und zwar durch einen "gutgläubigen Erwerb": Wenn jemand eine Sache im Besitz hat und mir übergibt, darf ich darauf vertrauen, dass diesem Menschen die Sache gehört und er mir das Eigentum daran übertragen kann.

Der Grund dafür ist der "Verkehrsschutz": Jeden Tag wird das Eigentum an vielen Sachen übertragen. Es würde das Geschäftsleben lähmen, wenn wir immer erst mühselig herausfinden müssten, ob die Sache wirklich dem gehört, der sie anbietet. Nur weil es den "gutgläubigen Erwerb" gibt, können Sie beim Bäcker ein Brötchen kaufen und unbeschwert essen - ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, dass das Brötchen dem Bäcker vielleicht gar nicht gehörte und der wahre Eigentümer nun von Ihnen Schadensersatz verlangen kann, weil Sie sein Brötchen durch Aufessen vernichtet haben.

Natürlich können Sie von Ihrem Kollegen Schadensersatz verlangen, denn er hat gegen Ihre Absprachen verstoßen. Davon können Sie sich einen anderen Hund kaufen - aber Ihren alten Hund kriegen Sie nicht mehr zurück.

Jeder Verleiher kann "Opfer" eines gutgläubigen Erwerbs werden

Der gutgläubige Erwerb funktioniert natürlich nur, wenn der Erwerber auch gutgläubig ist: Wusste die Nichte, dass der Hund gar nicht dem lieben Onkel gehört, konnte sie nicht Eigentümerin des Hundes werden. Und Gutgläubigkeit bedeutet weder Dummheit noch Blindheit: Sie fehlt auch, wenn offensichtlich ist, dass die Sache dem anderen nicht gehört. Hätte es also klare Anzeichen dafür gegeben, dass der Onkel einen fremden Hund verkauft, zum Beispiel eine eindeutige Hundemarke oder ein Halsband mit Ihrem Namen drauf, hätte die Nichte misstrauisch sein müssen. Dann hätte sie ebenfalls kein Eigentum am Hund erwerben können.

Und eine weitere Grenze hat der gutgläubige Erwerb: Die Sache darf dem ursprünglichen Eigentümer nicht "abhandengekommen" sein. Das heißt: Er darf seinen Besitz an ihr nicht unfreiwillig verloren haben, zum Beispiel weil sie ihm gestohlen worden ist. Nur wer seine Sachen selbst aus der Hand gibt, sie zum Beispiel verleiht, kann "Opfer" eines gutgläubigen Erwerbs werden.

Verleihen Sie Ihr Eigentum daher nur an Leute, denen Sie wirklich vertrauen. Oder markieren Sie Ihr Zeug wenigstens auffällig mit Ihrem Namen - damit können Sie einen Erwerber "bösgläubig" machen.

Nur wer die Paragrafen dazu nennt, wird ernstgenommen! Darauf berufen Sie sich:

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 929 (Einigung und Übergabe ), § 932 (Gutgläubiger Erwerb ), § 935 (Abhandengekommene Sachen )

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "Stimmt's oder hab ich Recht?" Der Text wurde redaktionell leicht bearbeitet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Ihr Hund an die Nichte verschenkt statt verkauft wurde. Auch in diesem Fall hätte die Nichte den Hund als Eigentum erworben, ihn aber wieder zurückgeben müssen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

Zum Autor
Foto: FinePic Helmut Henkensiefken

Volker Kitz hat Jura und Psychologie studiert und unter anderem als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut gearbeitet. Er lebt als freier Autor und Redner in Berlin. Die Texte dieser Serie basieren auf seinem aktuellen Buch "Ich bin, was ich darf. Wie die Gerechtigkeit ins Recht kommt und was Sie damit zu tun haben".Zur Website von Volker Kitz Zur Facebookseite von Volker Kitz 

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