Zur Ausgabe
Artikel 38 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Rabatte bis zu 50 Prozent Reederei MSC lockt medizinisches Personal auf Kreuzfahrtschiffe

Mitten in der Coronawelle sollen Ärzte oder Mitarbeiter von Gesundheitsämtern eine Schiffsreise zum Sonderpreis buchen. Dabei warnt das Auswärtige Amt derzeit explizit vor dieser Urlaubsform.
aus DER SPIEGEL 2/2022
Das Kreuzfahrtschiff »MSC Grandiosa« mit coronapositiven Menschen an Bord im Hafen von Civitavecchia, Italien, am 4. Januar 2022

Das Kreuzfahrtschiff »MSC Grandiosa« mit coronapositiven Menschen an Bord im Hafen von Civitavecchia, Italien, am 4. Januar 2022

Foto: Cecilia Fabiano / dpa

Gut gemeint, aber ungünstig getimt: Die Schweizer Reederei MSC lockt mitten in der nächsten Pandemiewelle dringend benötigtes medizinisches Personal wie Krankenpfleger, Ärztinnen oder Labormitarbeiter mit Rabatten von bis zu 50 Prozent auf Kreuzfahrtschiffe.

Sogar Feuerwehrleute oder Beschäftigte von Gesundheitsämtern werden umworben, den Discount für die »Corona-Helden des Gesundheitswesens« in Anspruch zu nehmen. MSC will auf Anfrage keine genauen Zahlen nennen, da das Angebot aber »sehr attraktiv« sei, werde es »sehr gut« nachgefragt.

Das Rabatt-Angebot, das es nach Angaben der Reederei bereits seit September 2020 gibt, fällt aktuell in eine kritische Phase der Pandemie. Angesichts der neuartigen Omikron-Variante wächst die Befürchtung, dass insbesondere viele Beschäftigte der kritischen Infrastruktur gleichzeitig aus­fallen könnten.

Viele Coronafälle auf Kreuzfahrtschiffen

Zuletzt gab es auf vielen Kreuzfahrtschiffen, darunter auch jenen von MSC, teils massive Coronavirus-Ausbrüche. Aida oder TUI Cruises mussten Fahrten abbrechen. Zwar hatte die Branche Sicherheitskonzepte entwickelt: So werden Passagiere vor Antritt der Reise wie auch während der Reise getestet. Manche Schiffe verfügen sogar über PCR-Analysemaschinen, um Coronavirustests auswerten zu können.

Für den Fall einer nachgewiesenen Infektion gibt es spezielle Isolierprotokolle und abgetrennte Bereiche auf den Schiffen. Die Reederei Aida erhöhte zuletzt die Anstrengungen nochmals. So finden Landgänge ausschließlich im Rahmen geführter Ausflüge statt, die Kinderbetreuung ist auf vielen Schiffen nicht verfügbar. Nahezu alle Reedereien fahren mit reduzierten Passagierzahlen.

Trotzdem werden immer mehr Kreuzfahrten öffentlich, auf denen Besatzungsmitglieder oder Passagiere positiv auf Corona getestet wurden. In Brasilien wurde der komplette Kreuzfahrtverkehr wegen zahlreicher Coronafälle an Bord von Schiffen unterbrochen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC setzte ihre Reisewarnung für Kreuzfahrten auf die höchste Corona-Warnstufe.

Auch das Auswärtige Amt warnt  explizit vor Kreuzfahrten. Es bestehe das Risiko, »dass im Falle eines Covid-19-Ausbruchs an Bord – auch unter geimpften Reisenden – von den Behörden im Ausland eine mehrtägige Schiffsquarantäne verhängt wird. Ein zeitnaher Rücktransport nach Deutschland wäre deswegen ausgeschlossen«.

Ausgenommen von dieser Warnung sind neben bestimmten Flusskreuzfahrten auch jene Kreuzfahrten, deren Reise in einem Hafen in Deutschland beginnt und ohne ein Anlegen in einem ausländischen Hafen wieder in einem Hafen in Deutschland endet.

In der Kreuzfahrtbranche sieht sich mancher zu Unrecht an den Pranger gestellt. Dort heißt es, dass in kaum einem anderen Bereich so viel getan werde und bei anderen Urlaubsformen Coronainfektionen möglicherweise schlicht unentdeckt blieben, die bei einer Kreuzfahrt durch die Teststrategie erkannt würden.

Aus: DER SPIEGEL 2/2022

Unbequem seit 1947

Der erste SPIEGEL erschien am Samstag, dem 4. Januar 1947. Die Medienwelt hat sich seither verändert: Vertrauen ist heute nicht mehr selbstverständlich, Fake News und Hate Speech beeinflussen die Debatten. Anlässlich des Jubiläums fragen wir: Was können, was müssen wir besser machen?

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Anmerkung der Redaktion: Wir haben an einer Stelle des Texts ergänzt, dass es das Angebot nach Angaben der Reederei bereits seit September 2020 gibt.

Zur Ausgabe
Artikel 38 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel