Regierungsforderung Opel verspricht Rettungskonzept gegen Job-Kahlschlag

GM in Europa kündigt einen eigenen Notplan gegen die Autokrise an. Erstmals erklärt sich der Konzern zu Allianzen und Beteiligungen bereit - Ziel: Kündigungen und Werkschließungen verhindern, vor allem bei Opel. Kanzlerin Merkel will erst nach Vorlage eines Konzepts Hilfen prüfen.


Rüsselsheim - Seit das Sanierungskonzept von General Motors in der Welt ist, steigt der Druck auf Opel. Um sich selbst vor der Insolvenz zu retten, schließt der sieche US-Autobauer auch Werksschließungen oder -veräußerungen in Deutschland nicht aus. Nun planen Management und Arbeitnehmervertreter von Opel und GM in Europa ein eigenes Restrukturierungskonzept.

Opel-Zentrale in Rüsselsheim: Ungewisse Zukunft für die GM-Tochter
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Opel-Zentrale in Rüsselsheim: Ungewisse Zukunft für die GM-Tochter

Sie wollen sich dabei alle Optionen offenhalten, auch einen Teilverkauf: "Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GM-Europe und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln", teilten Konzernführung und Gewerkschaften in einer gemeinsamen Erklärung mit. Getragen wird die Erklärung von GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz.

Angesichts der Krise auf dem europäischen Markt sei es notwendig "mit deutlichen Maßnahmen dafür zu sorgen", dass das europäische Geschäft von General Motors auf einer gesunden finanziellen Basis stehe, hieß es. "Management und Arbeitnehmervertreter werden umgehend mit Verhandlungen zu einem solchen Restrukturierungsprozess beginnen, um die Frage zu klären, wie betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen vermieden werden können."

Erklärtes Ziel ist es, vor allem die deutsche Marke Opel zu retten, die neben Vauxhall(Großbritannien) und Saab (Schweden) das Hauptgeschäft von GM in Europa ausmacht. Beide Seiten, Arbeitnehmer und Management von GM und Opel, seien überzeugt, "dass Opel als Kernmarke des europäischen GM-Geschäfts mit seiner erfolgreichen Modellpolitik eine gute Zukunft hat - unter der Voraussetzung, dass die entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden können", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Merkel drängt Opel und GM zu einem Konzept

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Mittwoch Opel und GM zur Vorlage eines Konzepts für die Zukunft der deutschen Werke auf. Vorher könne die Politik nichts machen. "Die Aufgabe, die jetzt vor uns steht, ist eine Aufgabe, die Opel leisten muss, gemeinsam mit dem Mutterkonzern General Motors", sagte die Regierungschefin. "Es muss ein Konzept auf den Tisch gelegt werden, wie eine positive Prognose für Opel aussehen kann."

Merkel sagte, die Arbeitsaufgaben seien deutlich verteilt. Wenn der Entwurf vorliege, werde "Opel wieder zu uns kommen und sagen, welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben". Regierungssprecher Thomas Steg ergänzte, dieses Konzept werde "in den nächsten Wochen" erwartet.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält wenig von einer möglichen Staatsbeteiligung an Opel. Er sehe einen solchen Schritt skeptisch, sagte er am Mittwoch in Berlin. Die Bundesländer mit Opel-Standorten hatten eine Beteiligung an Opel ins Spiel gebracht, falls Opel aus dem US-Mutterkonzern General Motors herausgelöst werden könnte.

Allerdings sieht auch Steinbrück den deutschen Staat in der Pflicht. Die Politik könne sich Gesprächen über Staatshilfen nicht entziehen, wenn es um das Schicksal Zehntausender Menschen gehe. Er sei aber skeptisch, ob der Staat selbst Anteile erwerben sollte.

Opel-Händler bieten Hilfe an

Die Opel-Händler wollen bei der Rettung des deutschen Traditionsunternehmens mithelfen. Die Händler stünden "bereit, um ihren Teil zu leisten", sagte der Sprecher des Opelhändler-Verbands, Paul Ebbinghaus. Vorstellbar sei dabei auch eine Beteiligung an dem Autobauer. Bislang gebe es aber keine konkreten Gespräche darüber. Eine Komplettübernahme komme nicht in Frage.

Offen zeigte sich Ebbinghaus auch für eine Zusammenarbeit mit ausländischen Investoren. Zunächst müssten die Regierungen der Opel-Länder in Europa und der Autobauer jedoch ein Konzept für die Zukunft des Unternehmens ausarbeiten.

Die Offerte der Händler ist nicht zuletzt auch Selbstschutz. Anders als andere deutsche Hersteller hat Opel keine Werksniederlassungen oder einen groß angelegten Fabrikverkauf und vertreibt seine Wagen nur über Händler. Diese sehen durch die Krise nun ihre Existenz gefährdet.

CSU sieht andere Hersteller in der Pflicht

Einen Sonderweg schlägt die CSU vor. Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte die anderen deutschen Automobilhersteller zur "Solidarität" auf. Die Konzerne sollten sich überlegen, ob es nicht die Möglichkeit von Zusammenschlüssen gebe, sagte Dobrindt am Mittwoch in München. Er forderte hier "etwas mehr Kreativität" von der Branche. Es müsse überlegt werden, ob Opel nicht eine "Portfolio-Ergänzung" für das eine oder andere Unternehmen sein könne. Dies müsse geprüft werden, bevor nach einem Engagement des Staates gerufen werde.

Das Schicksal des Autoherstellers Opel ist aktuell in der Schwebe. Der Opel-Mutterkonzern GM hatte am Dienstag in Washington ein Sanierungskonzept vorgelegt, das den Abbau von weltweit 47.000 Stellen vorsieht, 26.000 davon außerhalb der USA.

Konkrete Angaben zu den Folgen für die deutschen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern machte GM nicht, ebenso wenig über die anderen europäischen Töchter Vauxhall in Großbritannien und Saab in Schweden. Allerdings heißt es, die geplanten Kostensenkungen von 1,2 Milliarden Dollar in Europa könnten Schließungen oder Verkäufe von Werken an Standorten mit hohen Kosten umfassen.

GM selbst erklärte lediglich, der Konzern sei in Gesprächen mit der Bundesregierung über Staatshilfen. Man prüfe derzeit Möglichkeiten, von Deutschland finanzielle Hilfen zu erhalten, sagte GM-Chef Rick Wagoner dem US-Fernsehsender CNBC.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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ssu/AP/Reuters

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