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Wahlhilfe Rein privat da

In vertraulichen Schreiben an Freunde aus der Wirtschaft warnte der hessische Bankier Bethmann vor der »gefährlichen Politik« der SPD.
aus DER SPIEGEL 42/1972

Johann Philipp Freiherr von Bethmann, 48, Mitinhaber des Frankfurter Privatbankhauses Gebrüder Bethmann, lud ausgewählte Kunden zu Gast. Doch das private Treffen entpuppte sich als politischer Zirkel.

In vertraulichen Anschreiben hatte der Bankier als »Mein Gast in meinem Haus« (Bethmann-Brief) rund 50 Geschäftsleute in seine schiefergedeckte Luxus-Residenz in Frankfurts Mörfelder Landstraße 265 gebeten: »Wenn Sie meine Meinung teilen, daß die vor uns liegenden Wahlen wirklich über unsere Zukunft entscheiden und daß nur eine ganz starke CDU die ebenso törichte wie gefährliche Politik der Sozialdemokraten ... beenden kann.«

Eindringlich beschwor der Geldmann seine Kreditnehmer und Anleger: »Dann machen Sie Ihr Kommen möglich.« Und sie machten es möglich. Am Donnerstagabend rollten die Gäste in dem hinter hohen Parkbäumen versteckten Bethmann-Domizil an, vorwiegend in schwarzen Daimler-Benz-Gefährten. Auf der Gästeliste standen vor allem Mittelständler wie der Frankfurter Juwelengroßhändler Arje Paluch und der Chirurg Dr. Herbert Höhler. Im Hause Bethmann erwarteten sie der hessische CDU-Vorsitzende Dr. Alfred Dregger und Frankfurts CDU-Altbürgermeister Dr. Wilhelm Fay.

Bankier Bethmann bezeichnete die von ihm veranstaltete CDU-Hilfsaktion als »politische Aussprache unter Bekannten von mir«. Sein Bekannter Dregger erklärte zunächst, »ich war rein privat da«, und ergänzte dann: »In einem kleinen Kreis haben wir die Kommunalwahl durchgesprochen.«

Schon einmal, am 13. Oktober 1970, waren Bethmann und sein Kreis politisch aktiv geworden. Damals zählten zu den Gästen unter anderem Heinz Osterwind aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank und der bayrische Gummilöwe Willy Kaus (Metzeler AG).

Aus Sorge um den Verderb des Vaterlandes unter der sozialliberalen Regierung schlossen sich vor Jahresfrist Unternehmer des roten Bundeslandes diskret zur Vereinigung hessischer Industrieller e. V. zusammen, und zwar wegen »zunehmender diskriminierender Angriffe auf die in einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung verankerte Funktion des Unternehmers« (Vereinspräsident Karl von Winckler).

In München trafen sich Anfang des Jahres Spitzenmanager der Automobilindustrie, um über einen Anzeigenstopp in politisch nicht genehmen Blättern zu beraten. Und auf Initiative von Stahlboß Hans-Günther Sohl (Thyssen) formierten sich Industrielle zu einer Aktionsgemeinschaft gegen die angeblichen Zerstörer der Marktwirtschaft, der niemand etwas getan hat und der kein verantwortlicher Politiker aus SPD/FDP etwas tun will. Die Sohl-Initiative fand in einer alarmierenden Zeitungsanzeige ("Wir können nicht länger schweigen") Ausdruck.

Da es gegen die gefährliche Politik der SPD geht, bleiben die Gespräche ·nie ohne finanzielle Folgen für die Beteiligten. Auch Bankier Bethmann schloß seine private Einladung mit einer Forderung: »Für den Fall, daß Sie doch verhindert sein sollten, bitte ich um Ausfüllung und Zusendung der beigefügten Unterlagen an mich persönlich. Die Unterlagen: ein Spendenauftrag für die CDU.«

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