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LUFTFAHRT Reine Notwehr

Mit einem Interessenverband wollen Flugschein-Schwarzhändler für niedrige Preise kämpfen.
aus DER SPIEGEL 14/1981

Peter Spary war dem Bonner Rechtsanwalt Peter Heidinger bei der Gründung eines neuen Vereins gern gefällig. Denn erstens waren die beiden im selben Schwimmverein, und zweitens ging es um die freie Marktwirtschaft.

Doch bald dämmerte es Spary, daß er nur »als Aushängeschild mißbraucht« S.104 wurde: Im Gründungsprotokoll des neuen »Bundesverbandes verbraucherfreundlicher Wettbewerb im Flugverkehr« fand sich Spary nicht nur mit Namen, sondern auch in seiner Funktion genannt -- als Hauptgeschäftsführer der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung.

Als Lobbyist in dieser Sache mochte Spary denn nun doch nicht tätig werden. Er habe sich »das Ganze wohl nicht richtig überlegt«, fand der Unions-Mann und trat wieder aus dem neuen Bundesverband aus.

Dabei hat Spary gegen die Ziele des Vereins nichts einzuwenden. Laut Satzung wollen sich die Mitglieder dafür einsetzen, daß auch im Luftverkehr die Gesetze der Marktwirtschaft gelten.

Die Preise für deutsche Flugtickets, die im Linienverkehr bislang von der Iata (International Air Transport Association) kontrolliert werden, sollten sich nach den Vorstellungen des Verbandes völlig frei nach Angebot und Nachfrage einpendeln können.

Mitglieder des Verbandes sind vor allem Flugreisebüros, die wissen, warum sie eine Lobby in Bonn brauchen. Für Fluggesellschaften wie die Lufthansa nämlich sind sie nichts weiter als Schwarzhändler, die Tickets unterderhand billiger verkaufen.

Die Tricks, mit denen auch andere Reisebüros häufig die Iata-Regeln unterlaufen, machen bei den Schwarzhändlern das ganze Geschäft aus. Sie vertreiben fingierte Pauschal- und Gruppenreisen, bei denen nur zum Schein etwa Hotels oder Mietwagen mitverkauft werden. Solche IT- und GIT-Tickets dürfen auch nach Iata-Regeln billiger sein als ein schlichter Hin- und Rückflug.

Überdies handeln die Preisbrecher gern mit Flugscheinen, die sie im Ausland preiswert erstehen, den sogenannten Weichwährungs-Tickets. Da wird wegen der Währungsdifferenzen beispielsweise ein Flug von Athen über Frankfurt nach New York billiger als der Direktflug von Frankfurt in die USA.

Den Fluggesellschaften machen die verbraucherfreundlichen Praktiken seit Jahren zu schaffen. Allein die Lufthansa, so schätzt ihr Verkaufsleiter Reinhard Bock, hat deswegen »rund 100 Millionen Mark Einnahmeausfall pro Jahr«.

Da die Preisbrecher nur selten zu überführen sind, haben die teuren Liniengesellschaften bereits eine Kampagne gegen Reisebüros gestartet, die Billigtickets unters Volk bringen. So schickten erst kürzlich Iberia, Air France, Pan Am, British Airways sowie die Deutsche Lufthansa Kontrolleure in das Frankfurter »Reisebüro an der Kaiserstraße« (RAK) und ließen alle Blanko-Flugscheine einkassieren.

Andere Reiseagenturen, etwa UGR-Reisen in Neufahrn bei München oder MTR-Reisen in Schwalbach bei Frankfurt, wurden ähnlich gestraft. Sie können nun selbst keine Iata-Flugscheine mehr ausstellen -- ein schwerer Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Reisebüros, bei denen die Kundschaft nicht nur gleich buchen, sondern auch das Ticket mitnehmen kann.

Mehreren Dutzend anderen Discount-Händlern ließ die Lufthansa über die mit ihr verbündete Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Warnschreiben zuschicken. Jeder Verstoß gegen die deutschen Tarife soll diese Flugscheinverkäufer künftig 3000 Mark kosten.

»Aus reiner Notwehr«, so Meinolf Honrath von Cala Reisen in Bonn, habe sich daher seine Agentur wie andere auch dem Interessenverband der Billiganbieter angeschlossen. Das Interesse anderer Ticket-Händler an der Bonner Lobby, so Verbandsgeschäftsführer Peter Heidinger, sei groß. Sogar mit fünf ausländischen Airlines verhandle man bereits über ihren Beitritt.

Den größten Vorteil aus dem Notwehr-Bund, meint Heidinger, hätten vor allem die Verbraucher. Die Verbandsmitglieder wollen Flugreisen bis zu 70 Prozent unter den regulären Tarifen anbieten.

Wieviel Spielraum noch in vielen Tarifen steckt, läßt auch das neueste Angebot der Lufthansa erahnen. Die Gesellschaft offeriert vom 1. April an auf den meisten Strecken nach Fernost sowie Mittel- und Südamerika Holiday-Flüge, 30 Tage im voraus für mindestens zwei Wochen gebucht, mit einem Rabatt zwischen 38 und 56 Prozent.

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