Rekord-Abfindung US-Konzernchef kassiert 210 Millionen Dollar

An hohe Abfindungen sind die Amerikaner gewöhnt - der goldene Handschlag für den scheidenden Chef der Baumarktkette Home Depot erregt aber sogar an der Wall Street Aufsehen. Er kassiert eine rekordverdächtige Summe - nur damit er geht.


Chicago – Seit einiger Zeit schon kriselt es bei Home Depot Chart zeigen. Die Probleme des Unternehmens sollen nun von einem neuen Management gelöst werden - doch dafür muss Nardelli gehen. Heute schließlich einigten sich beide Seiten, dass er seine Posten als Vorstandschef und Vorsitzender des Direktoriums räumt.

Verbunden ist der einvernehmliche Abschied mit einem ganzen Paket von Abfindungszahlungen im Gesamtwert von etwa 210 Millionen Dollar. Trotz der hohen Summe, die dem Unternehmen entzogen wird, wurden die Neuigkeiten an der Börse mit einem deutlichen Kursaufschlag quittiert. Die Papiere notierten um knapp vier Prozent im Plus bei 41,66 Dollar – offenbar sind die Anleger froh, dass Nardelli das Unternehmen endlich verlässt.

Baumarktchef Nardelli: Der Aktienkurs seines Unternehmens ist um 15 Prozent gesunken. Trotzdem verlässt Nardelli den Konzern als reicher Mann
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Baumarktchef Nardelli: Der Aktienkurs seines Unternehmens ist um 15 Prozent gesunken. Trotzdem verlässt Nardelli den Konzern als reicher Mann

Analysten zeigten sich über die Höhe des Abfindungspakets allerdings verwundert. "Was mich wirklich überrascht ist, dass der Typ mit 210 Millionen Dollar davon marschiert", sagte Marktexperte Richard Steinberg. "Das zeigt wieder einmal, dass dieses System so sehr darauf angelegt ist, die Firmenchefs unabhängig von ihrer Leistung zu bezahlen."

Eine hohe Abfindung hatte zuletzt auch der US-Pharma-Konzern Pfizer Chart zeigen gezahlt. Vorstandschef Henry McKinnell ging Ende Dezember gegen eine Zahlung von 78 Millionen Dollar plus einer jährlichen Rente von 6,6 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Nach der Übernahme von Mannesmann musste sich Vorstandschef Klaus Esser mit 59 Millionen Mark zufrieden geben.

Nachfolger Nardellis wird Frank Blake, bisher stellvertretender Vorsitzender des Führungsgremiums. Der Wechsel ist dem Unternehmen zufolge bereits am Dienstag wirksam geworden. Nardelli war im vergangenen Jahr in die Schusslinie der Investoren geraten - damals wurde kritisiert, dass er für seine Leistung zu gut entlohnt werde. Von seinem Amtsantritt Ende 2000 bis Mai hatte der ehemalige Manager bei General Electric Chart zeigenetwa 120 Millionen Dollar erhalten, darin sind Aktienoptionen nicht eingerechnet. Im selben Zeitraum gab der Kurs der Home-Depot-Papiere jedoch um etwa 15 Prozent nach. "Wenn man gut bezahlt wird und das Geld nicht an die Aktionäre weiterreicht, ist man gefährdet", betonte Steinberg. Zudem zeigten sich die Investoren enttäuscht über Nardellis Auftreten bei der jüngsten Aktionärsversammlung. Nardelli weigerte sich, dabei auf die Fragen der Aktionäre zu antworten.

Das Geschäft lief zuletzt nicht gut

Doch der Zeitpunkt der Ablösung Nardellis kam für Experten überraschend. Sein plötzlicher Abgang schüre Spekulationen, wonach das Unternehmen möglicherweise zum Verkauf stehen könnte, sagte Michael Metz, Chefstratege bei Oppenheimer & Co. Erst Mitte Dezember hatte sich das Unternehmen hinter sein Management gestellt. Damals hatte eine Investmentgesellschaft die angeschlagene Baumarktkette aufgefordert, einen neuen Strategieplan zu erarbeiten. Die Gesellschaft Relational Investors forderte zudem einen oder mehrere Sitze im Direktorium. Die Aktien der Baumarktkette hatten zuletzt wegen Übernahmespekulationen kräftig zugelegt.

Die Abkühlung auf dem US-Immobilienmarkt drückt seit längerem auf die Geschäfte der US-Baumärkte, Home Depot ist davon nicht ausgenommen. Nach einem enttäuschenden dritten Quartal, in dem der Gewinn zurückgegangen war, schraubte das Unternehmen die Gewinn- und Umsatzprognose deutlich nach unten.

Zudem wird das Unternehmen durch Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Optionsprogramm belastet. Durch die Rückdatierung von Optionen seien dem Unternehmen Kosten in Höhe von 200 Millionen Dollar entstanden, die zuvor nicht aufgeführt worden seien, teilte das Unternehmen im Dezember mit. Nardelli oder ein anderes amtierendes Mitglied des Führungsgremiums sei dafür jedoch nicht verantwortlich gewesen.

wal/Reuters



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