Rekord-Betrug Banker soll Milliarden verzockt haben

Es scheint ein Betrugsfall der Superlative zu sein. Ein Banker soll der französischen Bank Société Générale mit Scheingeschäften hohe Verluste beschert haben. Gesamtschaden: 4,9 Milliarden Euro.

Paris - Bereits in der vergangenen Woche deutete es sich an, jetzt ist es amtlich: Die zweitgrößte französische Bank Société Générale hat wegen eines Betrugsfalls 4,9 Milliarden Euro verloren. Im Aktienhandel seien Unregelmäßigkeiten in Höhe von 4,9 Milliarden Euro entdeckt worden, teilte das Geldinstitut heute mit. Einer ihrer Aktienhändler in Paris habe seine Kenntnis der Kontrollmechanismen ausgenutzt und so fiktive Geschäfte zu seinen Gunsten gemacht. Der Angestellte habe den Betrug zugegeben, seine Vorgesetzten würden entlassen.

Der Betrug - "außergewöhnlich in Größe und Art" - sei erst im Januar entdeckt worden, hieß es. Der Händler habe bei Futures auf europäische Aktienindizes seine Kompetenzen massiv überschritten und sein Handeln durch komplizierte Scheingeschäfte verschleiert.

Die Bank teilte zudem mit, ein Rücktrittsgesuch des Chefs Daniel Bouton abgelehnt zu haben. Ein Analyst sagte, er bezweifle, dass die Bank erst jetzt von dem Betrug erfahren haben will. "Ich finde es schwer zu verstehen, dass ein Händler in der Lage gewesen sein soll, ein 'geheimes Geschäft' von 4,9 Milliarden getätigt zu haben, ohne dass jemand davon gewusst hat", sagte Ion-Marc Valahu von der Amas-Bank in der Schweiz.

"Die schlimmste Sache daran ist, dass dadurch die Risikomanagement-Systeme bei einigen Banken in Zweifel gezogen werden", sagte auch der Fortis-Analyst Carlos Garcia in Madrid. Man könne nicht plötzlich von einem Tag auf den nächsten eine Belastung von sieben Milliarden Dollar bekanntgeben. "Daraufhin haben wir Banken heruntergestuft, die sehr auf ihren Gewinn aus Handelsgeschäften fokussiert sind oder deren Kapitalbasis schwach ist."

5,5 Milliarden Euro frisches Kapital fehlen

Zudem müsse das Unternehmen wegen der US-Immobilienkrise 2,05 Milliarden Euro abschreiben, teilte das Institut weiter mit. In den kommenden Wochen benötige man deswegen 5,5 Milliarden Euro an frischem Kapital, hieß es in einer Erklärung. Die Belastungen ließen das Ergebnis im Gesamtjahr 2007 auf voraussichtlich 600 bis 800 Millionen Euro einbrechen. Im Vorjahr hatte die Société Générale noch 5,22 Milliarden Euro verdient.

Der Handel mit den Aktien des Unternehmens wurde an der Pariser Börse Euronext ausgesetzt. Spekulationen über eine anstehende Milliardenabschreibung bei der Société Générale hatten den Kurs am Mittwoch um zwischenzeitlich mehr als sechs Prozent abstürzen lassen.

Großbanken weltweit haben derzeit mit milliardenschweren Abschreibungen angesichts der Auswirkungen der Hypotheken- und Kreditmarktkrise zu kämpfen. Nach der Ankündigung von Société Générale teilte die französische Bank BNP Paribas   mit, dass sie keine außerordentlichen Verluste in ihrer Bilanz sehe.

sam/AP/AFP/Reuters/dpa

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