Rekord-Geschäftsjahr Porsche verkauft mehr Autos denn je

Für Porsche-Chef Wiedeking ist die Internationale Automobilausstellung (IAA) ein einziges Freudenfest: Der Luxus-Autobauer hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mit fast 100.000 Wagen mehr verkauft denn je, der Umsatz wuchs ebenfalls kräftig, wie Wiedeking heute verkündete.


Frankfurt am Main - "Beim Ergebnis haben wir noch einmal einen deutlichen Ausreißer nach oben geschafft und die 2,1 Milliarden Euro des Vorjahres übertroffen", sagte Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking auf der Automesse IAA in Frankfurt. Auch Umsatz und Absatz lagen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 über den Vorjahreswerten. Für das neue Geschäftsjahr zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich, an den Rekordabsatz des abgelaufenen Geschäftsjahres anknüpfen zu können. "Der August ist auf der wirtschaftlichen Seite schon ein ordentlicher Monat gewesen", sagte Wiedeking.

Porsche-Chef Wiedeking: "Wenn es passt, auch was bewegen"
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Porsche-Chef Wiedeking: "Wenn es passt, auch was bewegen"

2006/2007 sei der Porsche-Umsatz nach vorläufigen Berechnungen um 3,4 Prozent auf rund 7,4 Milliarden Euro geklettert. Der Absatz legte um 0,7 Prozent auf 97.515 Fahrzeuge zu. Porsche hatte zuvor bei beiden Größen mindestens Werte auf Vorjahresniveau angestrebt. Der Absatz des sportlichen Geländewagens Cayenne blieb wegen des Modellwechsels im Februar aber anders als geplant knapp hinter dem Vorjahreswert zurück. Mit 33.943 wurden 191 Exemplare des in Leipzig montierten Modells mehr verkauft als im Vorjahr. Der Absatz des Traditionsmodells 911 legte dagegen um 8,8 Prozent auf 37.415 Fahrzeuge zu.

Präziser Gewinn erst im November

Den präzisen Jahresgewinn will Porsche erst im November veröffentlichen. Die Berechnungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Wiedeking. Bereits Ende Juni hatte er einen deutlichen Anstieg des Vorsteuergewinns in Aussicht gestellt und dies vor allem mit massiven Sondereffekten im Zusammenhang mit der Aufstockung des VW-Anteils auf inzwischen knapp 31 Prozent begründet.

Konkrete Beschlüsse zu einer weiteren Aufstockung gebe es bisher nicht, sagte Wiedeking. Porsche besitze aber genügend Aktienoptionen, um seinen VW-Anteil "deutlich zu erhöhen", so Wiedeking. Man müsse, "wenn es passt, auch was bewegen können". Zunächst werde Porsche aber die bis Ende des Jahres erwartete Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zum VW-Gesetz abwarten, das den Porsche-Einschluss bisher auf 20 Prozent der Stimmrechte begrenzt. "Wir gehen davon aus, dass das Gesetz fallen wird", sagte Wiedeking. "Und sobald es gefallen ist, wovon wir fest ausgehen, müssen wir bei uns im Haus weitere Schritte diskutieren."

Mit Blick auf die Kritik von IG Metall und VW-Betriebsrat an seinen jüngsten Äußerungen, bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben, sagte Wiedeking: "Wer sich der Diskussion der Zukunftsfähigkeit nicht stellt, hat keine Zukunft mehr. Das sollte in jedem Unternehmen die Devise sein." Eine Vermischung der Unternehmenskulturen von Porsche und VW sei aber nicht geplant. "Wir wollen nicht Kulturen mischen, denn die Kulturen haben Tradition." Bei VW hatte man Wiedekings Äußerungen als direkten Angriff auf den Einfluss der Arbeitnehmer gewertet. Zwischen Porsche und dem VW-Betriebsrat herrscht außerdem seit längerer Zeit Eiszeit, unter anderem wegen der Besetzung des Aufsichtsrates der geplanten Porsche-Holding.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn versuchte derweil, die Gemüter zu beruhigen. "Wir stehen zum Haustarifvertrag", sagte Winterkorn. Man halte am Volkswagen-Weg fest. "Wir haben in dieser Beziehung überhaupt kein Problem", sagte Winterkorn direkt auf die Kritik von Porsche angesprochen. Als Volkswagen-Weg wird die starke Einbeziehung der Belegschaft in Entscheidungsprozesse bezeichnet. Winterkorn erinnerte daran, wie wichtig die Motivation der Belegschaft beim laufenden Programm der Produktivitätssteigerung sei. Die aktuelle Eigentümerstruktur - neben Porsche ist das Land Niedersachsen mit 20 Prozent Großaktionär - nannte Winterkorn "eine gute Struktur für uns".

Panamera 2009 mit Hybridantrieb

Wiedeking wehrte sich auf der IAA auch gegen den Vorwurf, die Stuttgarter Sportwagen seien "Klimaschweine". Porsche sei ein Winzling - erst recht, wenn es um das Weltklima gehe, sagte Wiedeking. Das Unternehmen trage in Deutschland weniger als 0,1 Prozent zum CO2-Ausstoß im Verkehr bei. Bei Emissions-Grenzwerten dürfe man von Porsche auch nicht die Durchschnittswerte anderer Hersteller fordern, die ganze Fahrzeugflotten anböten. Schließlich baue Porsche keine Kleinwagen und keine Mittelklassewagen. Bereits heute seien alle Porsche-Motoren tauglich für eine Beimischung des aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenen Ethanols, beim Cayenne seien sogar bis zu 25 Prozent möglich. Derzeit arbeite man an einem sogenannten Flexible Fuel Vehicle, das sowohl mit Benzin als auch mit einer Beimischung aus 85 Prozent Ethanol betrieben werden solle.

Porsche brauche sich auch bei der Hybrid-Technik nicht hinter der asiatischen Konkurrenz zu verstecken, sagte Wiedeking. Beim Hybrid-Antrieb von Porsche mit einem Elektro- und einem Verbrennungsmotor können beide Motoren sowohl gemeinsam als auch völlig unabhängig voneinander betrieben werden. Der Cayenne werde dann mit weniger als neun Litern Benzin auf 100 Kilometer auskommen. Diesen Antrieb werde man auch für das viertürige Sportcoupé Panamera anbieten, das 2009 auf den Markt komme.

Derzeit prüfe Porsche erneut, inwieweit sich ein Dieselmotor für seine Fahrzeuge umsetzen lasse. Wiedeking erklärte jedoch, dass ein eher kleiner Hersteller wie Porsche sich nicht zu vielfältig aufstellen dürfe, um seine Ertragskraft nicht zu gefährden. Deswegen müsse man "Weltmotoren" bauen, die überall einsetzbar seien, also etwa auch in den USA, wo es kaum Dieselfahrzeuge gibt.

ase/AP/dpa-AFX

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