Rekord-Ölpreis Japanischer Energieminister sieht globale Wirtschaft in Gefahr
Aomori/New York - Das Krisentreffen kam zur rechten Zeit. Die Energieminister der großen Ölverbrauchsländer Japan, USA, China, Indien und Südkorea haben sich am heutigen Samstag im japanischen Aomori getroffen, um über die Probleme, die der rasante Ölpreisanstieg mit sich bringt, zu beraten. Am morgigen Sonntag sollen in Aomori die G8-Staaten zusammenkommen. An den Beratungen werden auch China, Indien und Südkorea teilnehmen. Abgesehen von der Frage der Energiesicherheit berge der Ölpreis "große Risikofaktoren für eine Rezession der Weltwirtschaft", sagte Gastgeber Amari.
Energieminister der fünf größten Verbrauchernationen in Aomori: Gefahr für die Weltwirtschaft
Foto: AFPNach Ansicht von US-Energieminister Samuel Bodman geht der Preisanstieg aber nicht auf Spekulation zurück. Die Ölpreise seien zwar hoch. Ein Faktor dafür sei aber die "wachsende Nachfrage bei flauem Angebot", sagte Bodman zu Journalisten vor Beginn der Beratungen.
Am Freitag hatte der Ölpreis in New York erstmals die Marke von 139 Dollar geknackt. Auf die Frage, ob spekulative Mittel zum Beispiel von Hedgefonds die Preise treiben würden, sagte Bodman der japanischen Agentur Kyodo: "Nicht, soweit ich das sagen kann." Er sehe keine Notwendigkeit, die Finanzvorschriften zu verschärfen.
Bodman forderte ein Ende von staatlichen Treibstoff-Bezuschussungen. "Wir wissen, dass die Nachfrage zunimmt, weil viele Nationen Öl immer noch subventionieren. Das sollte aufhören", sagte er. Zugleich warnte er vor weiteren Preisschwankungen, solange nicht mehr Öl gefördert werde.
Mit seinen Forderungen nach einem Stopp der Bezuschussung dürfte der Energieminister insbesondere Indien und China im Blick haben. Dort wurden die Treibstoffpreise zwar trotz Inflationssorgen in beiden Ländern jüngst erhöht - nach Auffassung von Fachleuten jedoch nicht in dem Maße, dass dies dem rasanten Anstieg des Ölpreises entspreche.
Am Freitag hatte sich das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI zeitweise um mehr als zehn Dollar auf 138,36 Dollar verteuert. Damit wurde der vorige Höchststand von 135,09 Dollar, der vor rund zwei Wochen erreicht worden war, deutlich übertroffen. Das in Europa führende Nordseeöl der Sorte Brent kostete zum Wochenschluss 136,50 Dollar und damit sieben Prozent mehr als noch am Vortag.
In der Folge gingen die Kurse an der Wall Street in die Knie: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 3,2 Prozent bei 12.201 Punkten - der niedrigste Stand seit dem 19. März. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,11 Prozent und schloss mit 1360 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 2,96 Prozent auf 2474 Punkte nach.
Börsianer begründeten die Rallye am Ölmarkt unter anderem mit dem schwachen Dollar, was durch die Ankündigung einer Zinserhöhung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelöst worden sei. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am vergangenen Donnerstag eine Leitzinserhöhung im Euroraum durchblicken lassen, möglicherweise bereits im Juli. Der Dollar schwächte sich daraufhin merklich ab, nachdem sich die US-Währung in den Tagen zuvor noch etwas von ihrem Kursverfall erholt hatte.
Die US-Währung war am Nachmittag nach schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt weiter abgerutscht. Durch die Umschichtung spekulativer Anlagegelder entwickelt sich der Ölpreis häufig entgegengesetzt zum Dollarkurs, obwohl eine schwache Konjunktur die Ölnachfrage bremst.
Marktbeobachter prophezeien schon die nächsten Rekorde auf dem Ölmarkt: "Mit einem Preissprung um 5,50 Dollar je Barrel war gestern die größte absolute Tagesveränderung seit Aufnahme des Handels zu verbuchen", schreibt Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Die heftige Reaktion am Ölmarkt auf die Äußerungen Trichets und die einsetzende Dollar-Schwäche zeige aber auch, dass es den Markt nach oben zieht.
Mithin habe es sich bei der Abwärtskorrektur an den Tagen zuvor lediglich um eine "Konsolidierungsphase" gehandelt. Neue Rekordstände seien wahrscheinlich.
mik/Reuters/AFP/AP/dpa-AFX/dpa