Rekord-Teuerung Hunderte Versorger schrauben Gaspreise hoch

Preisschock für Millionen Gaskunden: Laut einem Pressebericht heben Hunderte Versorger ihre Tarife zum 1. Januar an - zum Teil um mehr als 20 Prozent. Schuld ist der hohe Ölpreis.


Frankfurt am Main - Nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" wollen rund 40 Prozent der bundesweit etwa 750 Gasversorger ihre Tarife zwischen fünf und mehr als 20 Prozent anheben. Die Zeitung beruft sich auf Berechnungen des Vergleichsportals Wechseln.de und des Leipziger Energiemarkt-Datenlieferanten GET. Auch das Verbraucherportal Verivox bestätigte den Trend.

Kochen und Heizen: Nur sechs Anbieter verlangen weniger für ihr Gas als bisher
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Kochen und Heizen: Nur sechs Anbieter verlangen weniger für ihr Gas als bisher

Bei Durchschnittskunden, die 20.000 Kilowattstunden verbrauchen, erhöhen insgesamt 303 Versorger ihren Preis. 439 behalten ihn bei, sechs Anbieter wollen weniger verlangen. Ausreißer nach oben sind dem Bericht zufolge die Stadtwerke Stade in Niedersachsen mit einem Aufschlag von bis zu 40 Prozent für Einpersonenhaushalte.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Stadtwerke Stade in einem Überblick von Verivox für einen durchschnittlichen Einfamilienhaushalt bundesweit besonders günstige Preise anbieten. Das Vergleichsportal untersuchte die Durchschnittspreise zuletzt im November 2007.

Gerade erst hatte das Statistische Bundesamt für November eine Rekord-Teuerung ermittelt. Demnach lag die Inflation bei 3,1 Prozent - so viel wie seit 13 Jahren nicht mehr. Hauptgrund sind die hohen Energiepreise.

Und Experten gehen davon aus, dass die Gaspreise im Laufe des nächsten Jahres noch weiter steigen. Schuld ist der hohe Ölpreis, an den die Entwicklung beim Gas gekoppelt ist. Die Umweltökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erwartet laut "Euro am Sonntag" schon im Frühjahr eine weitere Preisrunde. Es wäre die vierte innerhalb eines Jahres.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

"Wegen der Koppelung der Gas- an die Ölpreise wird Gas im Frühjahr wieder teurer werden", sagte Kemfert. "Ich rechne mit 20 Prozent mehr bis April, da die Teuerung beim Öl ein halbes Jahr später auch beim Gas ankommt."

Seit der Liberalisierung des Markts können Privatkunden ihren Anbieter in immer mehr Versorgungsgebieten frei wählen. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, einen möglichen Wechsel zu prüfen (siehe Kasten). Hilfe bieten dabei Verbraucherportale wie www.verivox.de oder www.wechseln.de.

wal/AFP



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