Rekord Vodafone könnte dreistelligen Milliardenbetrag abschreiben

In der Boomphase hat das britische Unternehmen Vodafone für viel Geld Mobilfunk-Beteiligungen und UMTS-Lizenzen erworben - die haben seitdem deutlich an Wert verloren. Vorstandschef Chris Gent könnte bei der Vorlage des Jahresabschlusses am Dienstag notgedrungen einen neuen Abschreibungsrekord aufstellen.


Vodafone-Chef Gent: Abschreibungen von 110 Milliarden Euro wären Guinness-Buch verdächtig
DPA

Vodafone-Chef Gent: Abschreibungen von 110 Milliarden Euro wären Guinness-Buch verdächtig

Newbury - Chris Gent, CEO der Vodafone Group und der Aufsichtsrat des Unternehmens kommen nach einem Bericht der britischen Tageszeitung "The Times" am Montag zusammen, um die Zahlen für den am Dienstag fälligen Jahresabschluss abzustimmen. Unterdessen wachse der Druck auf Vodafone, 110 Milliarden Euro auf den Wert des Konzern-Vermögens abzuschreiben, um so dem gesunkenen Wert seiner Mobilfunkbeteiligungen seit dem Kauf von Mannesmann Mobilfunk Rechnung zu tragen, schreibt das Blatt.

Als sicher gilt, dass Vodafone den Wert diverser kleinerer, börsennotierter Unternehmen abschreiben wird, die Vodafone während seiner Einkaufstour bis zum Jahr 2000 aufgekauft hat. Analysten glauben aber darüber hinaus, dass Vodafone auch den Wert der Vodafone D2 korrigieren wird, die aus der Mobilfunksparte des Mannesmann-Konzerns hervorgegangen ist. Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass sich die Abschreibungen auf insgesamt 24 bis 40 Milliarden Euro summieren könnten. Die jetzt von der "Times" ins Spiel gebrachte Zahl würde alles bisher da gewesene in den Schatten stellen. Als Rejordhalter gilt bisher der US-Medienkonzern AOL Time Warner der im vergangenen März rund 54 Milliarden Dollar abschrieb.

Mit dem bilanziellen Großreinemachen zöge Vodafone die Konsequenzen daraus, dass die Beteiligungen und Töchter zum Teil drastisch weniger wert sind, als Vodafone auf dem Höhepunkt des Technologie-Booms dafür bezahlt hat - und als derzeit im Jahresabschluss steht. Der "FT" zufolge liegt Vodafones Börsenwert von 73 Milliarden Pfund klar unter den 103 Milliarden Pfund, die in der Bilanz als immaterielle Vermögenswerte angegeben sind und sich unter anderem aus Goodwill und den Kaufpreisen für UMTS-Lizenzen ergeben.



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