Rekordgewinn der Deutschen Bank Große Stunde, leise genossen

Josef Ackermann hat anstrengende Zeiten hinter sich: Die Dauerschelte wegen des massiven Jobabbaus, der Mannesmann-Prozess und sein unrühmlicher Ausgang. Heute kam die große Genugtuung für den Deutsche-Bank-Chef: Das letzte Jahr war für sein Institut das erfolgreichste überhaupt.


Hamburg - Wer zwischen lauter leeren Stühlen sitzt, umringt von seinen stehenden Vorstandsmitgliedern, kann leicht verloren wirken. Doch das kratzte Josef Ackermann heute nicht. Statt als letzter hektisch in den Saal zu sprinten oder noch mit einer Hand in der Hosentasche leise Gespräche zu führen, setzte sich der Deutsche-Bank Chart zeigen-Chef bei der großen Jahrespressekonferenz als einer der ersten auf seinen Platz an das lange Pult auf der Bühne. Er faltete die Hände auf dem Tisch und schaute sich im Saal um. Um seine Lippen spielte ein Lächeln.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Erst nach einer Stunde wurde nach dem Nachfolger gefragt
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Erst nach einer Stunde wurde nach dem Nachfolger gefragt

Der 59-Jährige genoss den Anbruch seiner großen Stunde leise. Hinter ihm liegen unangenehme Zeiten: Die Dauerschelte wegen des massiven Stellenabbaus in der Bank, der peinliche Mannesmann-Prozess, die heftige Schelte, als das Verfahren schließlich gegen Millionenzahlungen eingestellt wurde. Doch jetzt durfte er höchst Angenehmes berichten. Die Deutsche Bank hat das erfolgreichste Geschäftsjahr ihrer Geschichte hinter sich.

Der Überschuss beträgt sechs Milliarden Euro - rund 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein im Schlussquartal konnten die Frankfurter den Gewinn fast vervierfachen und übertrafen damit die Erwartungen von Branchenexperten deutlich. Die Erträge stiegen 2006 im Vergleich zu 2005 um elf Prozent auf 28,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie lag mit 11,55 Euro 66 Prozent über dem von 2005. Die Eigenkapitalrendite erreichte 31 Prozent - und lag damit rund sechs Prozent über den Vorgaben Ackermanns, die Analysten und Volkswirte einst als überehrgeizig und unerfüllbar gegeißelt hatten.

Er werde der Hauptversammlung im Mai eine Dividende von vier Euro je Aktie vorschlagen, so Ackermann schließlich genüsslich. Damit würden 37 Prozent des bereinigten Gewinns an die Anleger ausgezahlt, mittelfristig seien sogar 50 Prozent angepeilt, hieß es später noch.

Sicher - ein paar Schwachstellen hat auch diese Erfolgsstory. Das Zinsgeschäft blieb hinter den Erwartungen zurück: Der Zinsüberschuss nahm lediglich um 15 Prozent auf 6,92 Milliarden Euro zu. Im Geschäft mit Aktien und Renten steigerte die Bank die Erträge um jeweils rund ein Viertel, und blieb damit hinter manchen Konkurrenten zurück - den Löwenanteil des Überschusses trug wieder einmal das Geschäftsfeld Firmenkunden und Investmentbanking (CIB) mit einem Vorsteuergewinn von 5,88 Milliarden Euro bei. Der Konzernbereich Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM) musste im Schlussquartal außerdem einen Rückgang beim bereinigten Vorsteuergewinn von 503 im Vorjahr auf 475 Millionen Euro hinnehmen. Die Kosten der Bank seien außerdem gestiegen, gestand Ackermann freimütig ein. Doch wer organisches Wachstum verlange, muss eben auch Geld in die Hand nehmen.

Ackermann spielte mit Rücktrittsgedanken

Es dauerte über eine Stunde, bis die Worte "Mannesmann" und "Nachfolger" fielen und beide Themen waren in wenigen Minuten abgehakt: Der Bankenchef richtete sich auf, blickte in die Runde und seine Gelassenheit schien kurz verflogen. "Kronprinzendiskussionen" seien angesichts seines Ausscheidens, das erst 2010 anstehe, verfrüht. Und er habe nach dem Mannesmann-Prozess schon über einen Rücktritt nachgedacht. Doch Aufsichtsrat und Mitarbeiter hätten ihn "außerordentlich unterstützt". "Und da jetzt wegzulaufen würde ich als schlechtes Beispiel sehen", so der Bankenchef fast trotzig. Dann wandte er sich wieder seinen Papieren zu. Es scheint fast symbolisch, dass die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft ausgerechnet während der Konferenz erklärte, die 23 Strafanzeigen gegen die Einstellung des Mannesmann-Verfahrens wegen Rechtsbeugung seien zurückgewiesen worden.

Ackermann philosophierte da gerade über das vergangene Geschäftsjahr. "Nie zuvor", "Rekord", und "überaus erfreulich", hieß es ein ums andere Mal im Manuskript, das er sachlich verlas. Sein Ausblick für das kommende Geschäftsjahr fiel allerdings reichlich vage aus. Der Vorsteuergewinn werde bei 8,4 Milliarden Euro liegen, bestätigte die Bank - schon im vergangenen Jahr hatten die Frankfurter aber 8,1 Milliarden Euro erreicht. "Das würde fast ein Null-Wachstum bedeuten in den kommenden zwei Jahren. Das hört sich wenig ambitioniert an", sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Equities hinterher enttäuscht. An einer konkreten Ergebnisprognose lavierte Ackermann sich lächelnd vorbei, auch eine Erhöhung der offiziellen Renditeerwartungen werde es nicht geben, so der Bankenchef weiter.

Große Ankündigungen? Fehlanzeige. Insgesamt setze man auf organisches Wachstum und kleinere Übernahmen. Der Einstieg bei der vietnamesischen Habubank mit 20 Prozent wurde bekannt gegeben und die Wachstumspläne in Asien und nochmals ausgeführt - allein in Indien hat die Bank vergangenes Jahr acht Filialen eröffnet. Man wolle außerdem die Anlagemöglichkeiten für die Kunden ausweiten, auch eine Beteiligung an einem Hedgefonds sei möglich.

Ansonsten begnügte sich Ackermann mit blumigen Worten über rosige Aussichten - und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ob er nicht Angst habe, die Erwartungen allzu sehr zu schüren? Natürlich könne man nun allerlei Krisenszenarien auspacken, erklärte der Bankenchef da nur in gönnerhaftem Ton. Nur: "Es hat keinen Wert, wenn Sie auf der Bremse stehen, wenn etwas gut läuft."

mit Reuters



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