Rekordgewinn Gasprom kündigt noch höhere Energiepreise an

Russlands Konzernriese Gasprom macht in Deutschland glänzende Geschäfte: Dank hoher Gaspreise kletterte der Umsatz der deutschen Tochterfirma auf mehr als sieben Milliarden Euro. Nun wollen die Russen auch noch in den hiesigen Strommarkt einsteigen - zu ihren Bedingungen.

Berlin - Bei Gasprom rollt der Euro, und zwar von West nach Ost. Im vergangenen Jahr erzielte die deutsche Tochter Gasprom Germania ein Jahresergebnis von 420 Millionen Euro - ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von zehn Prozent. Damit trägt das Deutschland-Geschäft wesentlich zum Gesamterfolg von Gasprom bei. Insgesamt deckt die Bundesrepublik knapp 40 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland.

Je höher die Energiepreise sind, desto mehr Geld fließt in die Kasse des vom Kreml kontrollierten Konzerns. So konnte allein Gasprom Germania den Umsatz im vergangenen Jahr um 21 Prozent steigern - auf sagenhafte 7,5 Milliarden Euro. Schon in den Jahren zuvor hatte Gasprom Germania zweistellige Zuwachsraten aufgewiesen. "Das Wachstum der Weltwirtschaft lässt den globalen Energiebedarf deutlich ansteigen", schreibt Geschäftsführer Hans-Joachim Gornig im Jahresabschlussbericht.

Für die Verbraucher bedeutet dies harte Zeiten. Denn wegen der wachsenden Gasnachfrage in Europa rechnet Gasprom mit weiter steigenden Preisen. "Die Richtung geht ganz klar nach oben", sagt ein Unternehmensinsider. Verschärft werde der Effekt durch das knappe Angebot - zumal Russland in Zukunft verstärkt Gas nach Asien liefern wolle. "Der Osten gewinnt zunehmend an Bedeutung."

Gasprom plant Gaskraftwerke in Deutschland

Für Gasproms Aktivitäten in Westeuropa bleibt allerdings Deutschland der Dreh- und Angelpunkt. Das Unternehmen ist unter anderem Sponsor des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Gasprom Germania hat seinen Sitz in der Berliner Markgrafenstraße, von hier aus werden Geschäfte in ganz Mitteleuropa, aber auch in Großbritannien und Zentralasien gesteuert.

In Deutschland plant das Unternehmen, sich an mehreren Gaskraftwerken zu beteiligen. Unter anderem geht es dabei um ein Neubauprojekt im vorpommerschen Lubmin. Dort wird in den kommenden Jahren die Ostsee-Pipeline an Land kommen, die Deutschland mit russischem Gas versorgen soll. Gerüchten zufolge ist auch ein gemeinsames Kraftwerk mit Vattenfall in Berlin geplant.

Generell verfolgen die Russen dabei eine harte Verhandlungslinie, berichten Brancheninsider. Demnach soll es Gaslieferungen für neue Kraftwerke in Deutschland nur dann geben, wenn Gasprom an den Projekten beteiligt wird. Für die deutschen Stromkonzerne ist dies eine hohe Hürde: Schließlich möchten sie die hohen Renditen lieber selbst abschöpfen.

Frühere Pläne, auch deutsche Endkunden mit Gas zu beliefern, verfolgt Gasprom indes nicht mehr. "Das Ziel ist nicht aufgegeben, wir verfolgen es in den nächsten Monaten aber nicht mehr", heißt es in Unternehmenskreisen. Der Grund sei die strenge Regulierungspraxis in Deutschland, unter anderem durch die Bundesnetzagentur. Aus demselben Grund seien in Deutschland vorerst auch keine Zukäufe geplant.

Vor einigen Monaten galt Gasprom noch als Interessent für deutsche Stadtwerke. Auch über einen Einstieg beim norddeutschen Versorger EWE oder beim Energiekonzern RWE war spekuliert worden. "Es ist sehr schwer, eine Firma zu finden, die nicht auf unserer Watchlist steht", sagte Gasprom-Vize Alexander Medwedew. Doch nun möchten sich die Russen offenbar auf weniger spektakuläre Projekte konzentrieren: Dabei geht es vor allem um den Bau von Erdgasspeichern in Deutschland und Österreich.

Mit Material von dpa-AFX

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