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12. August 2004, 11:40 Uhr

Rekordstand

Nadschaf-Offensive lässt Ölpreis steigen

Der Ölpreis hat am Donnerstag in London ein neues Rekordhoch erreicht. Medienberichten zufolge steigt in der Folge in Deutschland die Zahl der verkauften Diesel-Pkw sprunghaft an.

Unruhen im irakischen Nadschaf: Weitere Belastung für die Märkte
REUTERS

Unruhen im irakischen Nadschaf: Weitere Belastung für die Märkte

London/New York/Wien - In der Spitze legte der Preis für einen Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September bis auf 41,82 US-Dollar zu. Das waren 25 Cent mehr als am Vortag. Allein im August ist der Ölpreis damit um gut zwei Dollar geklettert. Die Sorge vor möglichen Versorgungsengpässen ist Händlern zufolge der wichtigste Faktor.

Neben der weiter unklaren Situation beim russischen Ölkonzern Jukos habe auch die US-Offensive in der irakischen Rebellenhochburg Nadschaf den Preis klettern lassen, so Händler. Auch der Korbpreis je Barrel Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) steigt weiter. Das Opec-Sekretariat berechnete den so genannten Korbpreis für die wichtigsten sieben Rohölsorten am Mittwoch mit 40,08 US-Dollar, das waren acht Cent mehr als am Tag davor. Es war der höchste Preis seit der Einführung der Korbpreis-Statistik im Januar 1987. An der New Yorker Terminbörse Nymex notierte der Barrel Öl der Sorte Light Sweet Crude bei 44,92 Dollar, etwas unter seinem Höchststand von 45,04 Dollar am vergangenen Dienstag.

Unterdessen hat der starke Preisanstieg bei Öl und Benzin Berichten zufolge die Nachfrage nach Diesel-Autos steigen lassen. In den vergangenen Monaten ist der Anteil der Bestellungen für Sprit sparende Dieselfahrzeuge laut einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stark gestiegen. Bei Volkswagen, Audi, Ford und Peugeot erreichen die entsprechenden Kundenaufträge demnach mittlerweile einen Anteil von bis zu 60 Prozent. Vor allem bei den Kompaktwagen, der Golf-Klasse, seien Dieselmotoren gefragt.

Das Bundeskartellamt sieht trotz der hohen Benzinpreise keine Anzeichen für illegale Absprachen zwischen den Mineralölkonzernen. "Derzeit liegen dem Bundeskartellamt Hinweise auf Preisabsprachen auf dem Tankstellenmarkt nicht vor", sagte Kartellamts-Präsident Ulf Böge der "Berliner Zeitung". Eine von Umweltbundesamt-Präsident Andreas Troge geforderte schärfere EU-Wettbewerbsbehörde zur Aufsicht der Mineralölkonzerne lehnte Böge ab. "Einer neuen starken Wettbewerbsbehörde auf europäischer Ebene bedarf es nicht - die gibt es bereits."

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