Rekordstand Ölpreis peilt 72-Dollar-Marke an

Der Ölpreis setzt seinen Höhenflug ungebremst fort: Zum Wochenanfang kostete ein Barrel fast 72 Dollar. Doch die Börsianer reagieren inzwischen relativ gelassen auf die immer neuen Hiobsbotschaften - der Dax startete zwar im Minus, große Einbrüche werden jedoch nicht erwartet.


London - Der Ölpreis klettert auf immer neue Rekordmarken. Im elektronischen Handel in London stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent heute Vormittag auf 72,04 Dollar. Hintergrund des ungehemmten Preisanstiegs ist vor allem der Atomkonflikt mit Iran, dem viertgrößten Ölproduzenten. Auch die anhaltende Gewalt in Nigeria - dem zwölftgrößten Ölproduzenten - und der jüngste Selbstmordanschlag in Israel sorgten für Unruhe an den Märkten. Schon gestern war der Ölpreis in London deutlich über die 71-Dollar-Marke und damit auf den höchsten Stand seit knapp acht Monaten gestiegen.

In New York erreichte die Referenzsorte Light Sweet Crude mit 70,88 Dollar ein neues Allzeithoch. Der Preis lag damit knapp über den 70,85 Dollar vom vergangenen August, als der Hurrikan "Katrina" die Ölproduktion im Golf von Mexiko lahmlegte und die Preise in die Höhe getrieben hatte.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat in der vergangenen Woche erneut einen Höchststand erreicht. Ein Barrel (159 Liter) kostete zum Wochenschluss am Donnerstag 65,02 US-Dollar, teilte das Opec-Sekretariat in Wien mit. Das waren 1,20 Dollar mehr als am Tag zuvor (63,82 Dollar). Nach Meinung von Opec-Analysten in Wien kann die aus elf Ländern bestehende Organisation zurzeit kaum etwas tun, um mäßigend auf die Preise einzuwirken. Die Opec fördere bereits am Rande ihrer Kapazität.

Gelassenheit am Frankfurter Aktienmarkt

Die Rekordpreise seien auch Schuld daran, dass der Dax heute im Minus startete, erklärten Händler am Aktienmarkt: Zum Auftakt fiel das Börsenbarometer so um knapp 0,3 Prozent auf 5900 Punkte. Banker und Broker hatten mit dieser Entwicklung bereits gerechnet. Am Donnerstag hatte der Index mit 5918 Punkten geschlossen.

Trotzdem nehmen die Fachleute die immer neuen Hiobsbotschaften bei den Energiepreisen inzwischen mit relativer Gelassenheit auf. Man rechne nicht mit großen Einbrüchen am Markt, hieß es vor Börseneröffnung. "Heute dürften noch viele Marktteilnehmer im Osterurlaub sein und erst in den kommenden Tagen wieder in das Spiel an der Börse einsteigen", sagte ein Händler einer Frankfurter Investmentbank. Die meisten Investoren hatten sich bereits in den letzten Tagen vor Ostern mit größeren Engagements zurückgehalten.

Gestern hatte schon die New Yorker Wall Street stark unter dem ungehemmten Anstieg des Ölpreises gelitten. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,6 Prozent auf 11.074 Punkte. Der Nasdaq Composite verlor ebenfalls 0,6 Prozent auf 2311 Zähler. Schuld am Abwärtstrend waren neben den Energiepreisen jedoch auch Äußerungen des Präsidenten der Federal Reserve von Chicago, Michael Moskow. Die US-Notenbank müsse dafür sorgen, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise nicht den Inflationsdruck verstärkten, sagte Moskow. Dies wurde von Beobachtern als ein Hinweis auf weiter steigende US-Zinsen interpretiert.

Fokus auf Siemens-Aktien

In Frankfurt dürfte heute die Aktie des Münchener Technologiekonzerns Siemens in den Fokus der Anleger rücken. Das Unternehmen verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit Motorola über den Verkauf seiner Sparte Siemens Com. Ebenfalls lohnenswert könnte für die Investoren ein Blick auf das Papier des Chemiekonzerns BASF sein. Der Ludwigshafener Konzern hat die Frist zur Annahme seines Barangebots für den US-Spezialchemiekonzerns Engelhard gestern bereits zum dritten Mal verlängert.

Interessant werden könnte auch ein Blick auf die zweite Reihe. Der Warenhauskonzern KarstadtQuelle will offenbar seine Einkaufsorganisation verkaufen. Im Gespräch ist informierten Kreisen zufolge offenbar ein Verkauf an die Hongkonger Firma Li & Fung für 100 bis 200 Millionen Dollar. Nach Angaben eines Karstadt-Sprechers laufen derzeit Gespräche mit mehreren Partnern. Den Sprung aufs Börsenparkett wagt heute der Auskunftsdienstleister KlickTel. Die Aktien werden im Entry Standard notiert. Der Zuteilungspreis lag bei 15 Euro.

ase/AFP/ddp/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.