Rente ab 67 Beck will Ausnahmen für Dachdecker

Wer soll wie lange arbeiten – über diese Frage zerstreitet sich derzeit die ganze Republik. SPD-Politiker fordern jetzt bei der geplanten Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zahlreiche Ausnahmen. Die Wirtschaft empört sich unterdessen über das neue Altersteilzeitprogramm von VW.


Hamburg - "Ich kann einen Dachdecker mit 67 nicht mehr auf dem Dach arbeiten lassen", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) laut "Bild am Sonntag". "Wir müssen differenzieren, wir müssen das wirkliche Leben sehen." Auch für Krankenschwestern und andere Schichtarbeiter müsse es differenzierte Lösungen geben, "und das sind nur Beispiele", sagte Beck.

94-Jährige am Computer: "Rechtzeitig Weiterbildungschancen bieten"
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Man dürfe nicht den Menschen, die besonders hart und gefährdet arbeiteten, zum Schluss die Rente kürzen, betonte der SPD-Politiker zudem. "Es muss für diese Menschen einen staatlichen Zuschuss geben." Beck forderte die Unternehmen zugleich auf, ihrer Verantwortung für die Beschäftigung älterer Menschen nachzukommen. "Es wird auch an den Unternehmen liegen, wie sie ihre Mitarbeiter im Alter einsetzen. Da müssen die Personalchefs flexibel und kreativ sein und auch rechtzeitig Weiterbildungschancen bieten."

Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), zeigte sich in der Zeitung skeptisch gegenüber den Rentenplänen der Bundesregierung. Auf die Frage, ob das Kabinett in dieser Woche die richtige Entscheidung getroffen habe, sagte der SPD-Politiker demnach. "Es wäre zuerst besser, dafür zu sorgen, dass das Rentenalter von 65 tatsächlich erreicht wird."

Das Kabinett hatte sich am Mittwoch auf Drängen von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) überraschend darauf verständigt, das Rentenalter bereits bis 2029 auf 67 Jahre anzuheben. Müntefering (SPD) reagierte unwirsch auf die Kritik aus den eigenen Reihen, er habe die Entscheidung ohne Absprache in der Partei vorangetrieben. "Für die Umsetzung des Koalitionsvertrages muss man nicht jedes Mal Parteibeschlüsse machen", sagte Müntefering der "Süddeutschen Zeitung". Wenn Dinge - "und insbesondere aus meinem Ressort" - im Kabinett geklärt werden müssten, "da können wir uns nicht wegducken."

"Volkswagen holt sich richtig viel Geld"

Der Autobauer VW sieht sich unterdessen wegen eines ganz anderen Vorstoßes heftigen Attacken ausgesetzt: Mit einem neuen Altersteilzeitprogramm will der Konzern zusätzlich rund 7000 VW-Beschäftigte in den sechs westdeutschen Werken vorzeitig aus dem Arbeitsleben aussteigen lassen - bestimmte Mitarbeiter bereits mit 58,5 Jahren. Dafür erntet der Autobauer nun heftige Kritik von Arbeitgeberseite.

Bei VW werde "Beschäftigungsabbau auf dem Rücken aller gemacht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Niedersachsenmetall, Dietrich Kröncke, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die Altersteilzeit werde schließlich auch mit Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert. "Das heißt, Volkswagen holt sich von allen, die einzahlen, richtig viel Geld. Darunter sind dann auch die Zulieferer, von denen Volkswagen dann noch niedrigere Preise verlangt," kritisierte Kröncke.

Kröncke lehnte eine Übernahme des Altersteilzeitmodells bei anderen Unternehmen in Niedersachsen ab. "Das kann keinen Vorbildcharakter haben und schon gar nicht Inhalt eines Flächentarifvertrages werden", sagte er. Das könnten sich die Unternehmen des Verbandes überhaupt nicht leisten. Er sei erst bereit, darüber nachzudenken, "wenn die IG Metall bei der diesjährigen Tarifrunde auf jede Erhöhung verzichtet".

ase/ap/afp/dpa

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