Für das Jahr 2026 Arbeitgeber fordern Prüfung des Rentenalters

Bald gehen die Babyboomer in Rente – und bringen ein Ungleichgewicht in das System, weniger Beitragszahler kommen dann auf immer mehr Rentner. Arbeitgeber wollen nun das Eintrittsalter erneut prüfen.
Touristinnen an der Nordsee: Derzeit wird das Rentenalter laut geltendem Recht schrittweise auf regulär 67 angehoben

Touristinnen an der Nordsee: Derzeit wird das Rentenalter laut geltendem Recht schrittweise auf regulär 67 angehoben

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die Altersgrenze für die Rente in Deutschland soll geprüft werden, fordern Arbeitgeber. Eine Entscheidung in dieser politisch heiklen Frage sei für das Jahr 2026 wichtig, sagte der Arbeitgebervertreter im Bundesvorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, in Würzburg. Derzeit wird das Rentenalter laut geltendem Recht schrittweise auf regulär 67 angehoben.

Hintergrund der Debatte ist, dass wegen des nahenden Renteneintritts der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge künftig immer mehr Rentnerinnen und Rentner auf immer weniger Beitragszahlende kommen. Gunkel wies darauf hin, dass es auch noch weitere Stellschrauben zur künftigen Stabilisierung der Rente gebe. Er nannte unter anderem einen weiteren Anstieg der Beschäftigung – etwa bei den Frauen oder durch Zuwanderung. Eine Anhebung der Regelaltersgrenze sei jedoch naheliegend.

Über die strittige Frage entschieden werden soll nach Dafürhalten Gunkels im Jahr 2026, da zu diesem Zeitpunkt bestimmte Rentenberechnungen infolge der Anhebung des Rentenalters auf 67 greifen. Gunkel verwies zudem darauf, dass eine Regierungskommission zur Zukunft der Rente bereits 2020 empfohlen hatte, dass es 2026 eine neue Bewertung zum strittigen Thema einer möglichen Anhebung der Altersgrenzen geben solle.

Die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, sagte, der demografische Wandel erzeuge Handlungsbedarf in der Alterssicherung. Die Gesamteinkommen im Alter lägen deutlich höher als die Leistungen allein aus der gesetzlichen Rente. Sie sagte, »dass sehr niedrige Renten isoliert betrachtet kein verlässliches Indiz für Altersarmut sind«. So hätten etwa alleinstehende Männer mit einer gesetzlichen Rente unter 250 Euro im Schnitt ein Gesamteinkommen von fast 2400 Euro im Monat. Vielfach flössen dann nämlich noch Leistungen aus der Beamten- oder einer berufsständischen Versorgung. Während 8,3 Prozent der Gesamtbevölkerung Grundsicherung oder Sozialhilfe bezögen, seien es im Rentenalter nur 3,2 Prozent.

Digitale Rentenplattform geplant

Ab Mitte kommenden Jahres sollen die Rentenversicherten, Rentnerinnen und Rentner in Deutschland eine neue digitale Plattform nutzen können. Das Portal werde für alle Bedürfnisse rund um Reha, Rente und Versicherung angeboten, teilte der Direktor der Rentenversicherung, Stephan Fasshauer, mit. Die Plattform solle einen übersichtlichen Zugriff auf die großteils bereits bestehenden digitalen Serviceleistungen bieten.

In einem persönlichen Login-Bereich sollen die Versicherten Anträge stellen können und ein digitales Postfach sowie eine Feedback-Funktion vorfinden. Angesichts des oft hohen Alters der Betroffenen sei auch ein Zugriff für Bevollmächtigte geplant.

Ebenfalls im kommenden Jahr wolle man die sogenannte Digitale Rentenübersicht erstmals größeren Personengruppen zugänglich machen. Die Übersicht biete einen Gesamtüberblick über die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge. Ab 2024 solle diese Onlineübersicht allgemein angeboten werden, sagte Fasshauer.

ani/dpa

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