Rente mit 62 Mehrheit der Beschäftigten will früher in den Ruhestand

Die meisten Arbeitnehmer können mit 67 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Doch mehr als die Hälfte würde gern mindestens fünf Jahre eher aufhören, zeigt eine neue Umfrage.
Wird gebraucht: Älterer Facharbeiter im Einsatz

Wird gebraucht: Älterer Facharbeiter im Einsatz

Foto: Monika Skolimowska / DPA

54,2 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland würden gerne mit 62 Jahren oder früher mit der Erwerbsarbeit aufhören. Dagegen wollen nur 10,7 Prozent bis zum Alter von 67 oder darüber hinaus arbeiten.

67 ist das Regeleintrittsalter für alle, die ab 1964 geboren wurden. Die Zahl von 10,7 Prozent setzt sich zusammen aus wenigen Befragten, die das Alter von 67 Jahren (2,4 Prozent) oder 68 Jahren (1,3 Prozent) ideal finden. Die größte Gruppe mit sieben Prozent sind Menschen, die sogar noch über den 69. Geburtstag hinaus beruflich tätig sein wollen.

Das geht aus einer Umfrage des Demographie Netzwerks hervor, einer Kooperation von Unternehmen und Institutionen, die auf Initiative des Bundesarbeitsministeriums gegründet wurde. In dessen Auftrag befragte das Marktforschungsunternehmen Civey Anfang Oktober rund 2500 Erwerbstätige per Onlineumfrage.

Besonders in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren hat die Sehnsucht nach Ruhestand demnach zugenommen. Im Vorjahr gaben hier noch 62 Prozent an, bis zum 62. Lebensjahr in Rente gehen zu wollen, aktuell sind es 73,5 Prozent. Aus Sicht der Studienmacher könnten sich hier die familiären wie beruflichen Belastungen aus der Zeit der Coronapandemie niederschlagen. Bemerkenswert ist der Wunsch nach Ruhestand auch insofern, als nur ein Drittel der Befragten ihre finanzielle Absicherung im Alter als gut einschätzt, 45 Prozent charakterisieren sie als »schlecht«.

»Keine Perspektive« im Alter

Niels Reith, Vorstandsmitglied beim Demographie Netzwerk, findet die Entwicklung besorgniserregend. Es sei »alarmierend, dass viele Menschen keine Perspektive darin sehen, im Alter zu arbeiten«. Schließlich schieden in diesem Jahrzehnt die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge aus dem Arbeitsleben aus und hinterließen einen kaum zu deckenden Bedarf an Fachkräften.

Während Erwerbstätige möglichst früh aus dem Hamsterrad der Arbeit rauswollen, machen Arbeitgeber in der Gegenrichtung Druck. Gerade hat der Arbeitgebervertreter im Bundesvorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, gefordert, die derzeit geltende Altersgrenze im Jahr 2026 zu überprüfen – versehen mit dem Hinweis, dass eine Anhebung »naheliegend« sei. Allerdings sei das nicht die einzige Möglichkeit, auf die Situation zu reagieren. Man könne auch die Zahl der Beschäftigten steigern, etwa durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen oder durch Zuwanderung.

Im Sommer hatte sich Stefan Wolf, Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, für eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre ausgesprochen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt solche Bestrebungen entschieden ab. Auf Wolfs Vorstoß antwortete DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel damals: »Das ist nichts anderes als eine Rentenkürzung mit Ansage«, viele Beschäftigte würden es schon heute nicht mehr schaffen, »gesund bis zur Rente durchzuhalten«.

mamk
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