Renten Rürup lobt Riesters Reform als Jahrhundertwerk

Der Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung, der Wirtschaftsweise Bert Rürup, ist vom Erfolg der rot-grünen Rentenreform überzeugt. Für das zweite Halbjahr sei mit einem Nachfrageschub für Produkte der staatlich geförderten Altersvorsorge zu rechnen.


Nachfrageschub in der zweiten Jahreshälfte: Rentenexperte Rürup
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Nachfrageschub in der zweiten Jahreshälfte: Rentenexperte Rürup

Berlin - Die Zahl von etwa zwei Millionen bisher abgeschlossenen Privatverträgen mit Finanzdienstleistern zur so genannten Riester-Rente bezeichnete Rürup vor Journalisten in Berlin als relativ gering. Aber in der zweiten Jahreshälfte, wenn die neue Möglichkeit der Entgeltumwandlung bei der betrieblichen Altersvorsorge greife, werde die Nachfrage anziehen. Die Betriebsrente werde sich als Renner erweisen. Rürup warf dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) zögerliche Arbeit vor, weil es bisher erst ein bis zwei Pensionsfonds für die neue betriebliche Altersvorsorge genehmigt habe.

Rürup nannte das Reformwerk eine Jahrhundertreform. "Sie war alles andere als halbherzig." Verlierer der Reform seien alle über 55-Jährigen, da sie Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Rente kaum durch private Vorsorge auffangen könnten. Für die 30- bis 55-Jährigen habe sich die Alterssicherung nicht verschlechtert, sie werde aber teurer. Gewinner der Reform seien die unter 30-Jährigen. Vorwürfe, die Reform sei mit Blick auf die Höhe des Rentenbeitragssatzes gescheitert, seien unredlich. "Die Bremswirkung der neuen Rentenformel greift erst im nächsten Jahr", sagte Rürup.

Die zum Jahresanfang in Kraft getretene Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) hatte neben der beitragsfinanzierten Altersrente eine staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge eingeführt. Arbeitnehmer erhalten Zulagen und Steuernachlässe, wenn sie einen bestimmten Anteil ihres Einkommens dafür verwenden. Sie können die staatliche Förderung für einen privaten Vertrag oder für die betriebliche Vorsorge nutzen. Seit Jahresanfang hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, Teile des Lohns in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen zu können (Entgeltumwandlung).

Mit der Reform soll der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung von derzeit 19,1 Prozent bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen, das Nettorentenniveau zugleich aber nicht unter 67 Prozent sinken. Zusätzlich soll jeder Versicherte zur Sicherung des Lebensstandards eine Privatvorsorge aufbauen.

Der Sozialbeirat berät die Bundesregierung und gibt jährlich eine Stellungnahme zu deren Rentenbericht ab. Ihm gehören Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wissenschaft und Bundesbank an.



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