Reparaturstau Bahn ringt mit abrissreifen Brücken

Die Deutsche Bahn kämpft weiterhin mit ihrer maroden Infrastruktur. Sorgen bereitet insbesondere der schlechte Zustand vieler Brücken.
Älteste Eisenbahnbrücke Deutschlands: Vier Kategorien

Älteste Eisenbahnbrücke Deutschlands: Vier Kategorien

Foto: Jan Woitas/ dpa

In Deutschland sind mehr als tausend Bahnbrücken nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren und können nur noch durch einen Neubau ersetzt werden. Das geht aus Angaben des Bahnbeauftragten der Bundesregierung, Enak Ferlemann, hervor. Die Kosten für alle Bauwerke summierten sich auf 7,3 Milliarden Euro, antwortete Ferlemann auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.

Die Infrastruktur der Deutschen Bahn gilt als marode, weil jahrelang zu wenig investiert wurde. Mehr als die Hälfte der gut 25.700 Eisenbahnbrücken wurde vor Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut, 45 Prozent sind älter hundert Jahre.

Der FDP-Obmann für Verkehr, Torsten Herbst, sprach von einem bedenklichen Zustand. Nicht nur fehlendes Geld, sondern auch lange Genehmigungszeiträume hätten zum Modernisierungsstau geführt. "Eine zügige Sanierung der Eisenbahnbrücken ist dringend geboten", forderte Herbst. Könnten sie nur eingeschränkt befahren werden, wirke sich das auf das ganze Netz aus. Wenn Sanierungen weiter verschleppt würden, erhöhe sich der Aufwand.

Die Bahn unterteilt die Brücken je nach Zustand in vier Kategorien. 1004 fallen in die schlechteste Kategorie vier. Die Bahn betont: "Selbst Brücken der schlechtesten Zustandskategorie sind für die Nutzung des Eisenbahnbetriebs sicher, sonst würde kein Betrieb zugelassen."

Mit Abstand die meisten Brücken der Kategorie vier stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (257). Es folgen Baden-Württemberg (114) und Bayern (113). Die drei Länder haben allerdings auch gleichzeitig die meisten Brücken im Bestzustand.

Relativ gesehen hat Brandenburg die meisten Brücken der schlechtesten Kategorie, es sind neun Prozent. Berlin und das Saarland folgen mit sieben Prozent. Je nach Schadensbild könne eine Brücke 15 Jahre in der Kategorie vier bleiben, erklärt die Bahn.

Zwischen 2015 bis 2019 hat der Staatskonzern gut 900 Brücken renoviert, mehr als die Hälfte davon in den vergangenen beiden Jahren. Bis 2029 sollen 2000 weitere vollständig oder teilweise erneuert werden, teilt die Bahn mit. Dafür solle die Rekordsumme von rund neun Milliarden Euro investiert werden.

mik/dpa