Retourkutsche Chinesen rufen zum Boykott französischer Konzerne auf

China rächt sich: Weil sie sich vom Westen diffamiert fühlen, rufen chinesische Internet-Nutzer zu einem Boykott französischer Konzerne wie Louis Vuitton, Peugeot, L'Oréal und Carrefour auf. Von der Staatspresse wird die Kampagne wohlwollend begleitet.

Peking – Carrefour ist das jüngste Opfer. Verbraucher sollten im Mai nicht mehr bei dem französischen Supermarktgiganten einkaufen, heißt es seit Tagen in chinesischen Chatrooms und in SMS-Nachrichten. Nutzer werfen dem Carrefour-Anteilseigner LVMH vor, den Dalai Lama finanziell unterstützt zu haben. Chinesische Zeitungen berichten groß über die Kampagne und tragen indirekt dazu bei, ihre Wirkung zu verstärken.

Carrefour-Hypermarkt in Peking: "Zeig ihnen die Macht des chinesischen Volkes"

Carrefour-Hypermarkt in Peking: "Zeig ihnen die Macht des chinesischen Volkes"

Foto: AFP

Boykottaufrufe gibt es auch gegen LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton selbst und den Luxusgutanbieter Christian Dior. In einigen Internet-Einträgen wird auch dazu aufgefordert, keine Autos von Peugeot und keine Kosmetika von L'Oréal zu erwerben.

Frankreich hat den Zorn vieler Chinesen auf sich gezogen, weil es in Paris vergangene Woche zu heftigen Protesten während des olympischen Fackellaufs kam. Demonstranten erzwangen einen Abbruch der Veranstaltung. Auch in London und San Francisco gab es Tumulte beim Fackellauf, in vielen Ländern des Westens wird über einen Boykott der Olympischen Spiele diskutiert. Frankreich ist nun das erste Land, das Opfer einer Art Retourboykott werden könnte.

In einem Boykottaufruf per SMS heißt es: "Zeig ihnen die Macht des chinesischen Volkes. Ich hoffe, du wirst deine Freunde mobilisieren." Ein anderer Nutzer schreibt im Internet: "Angesichts der Unterstützung tibetischer Separatisten durch das französische Volk während des Fackellaufs in Paris gibt es keinen Grund, den Franzosen Geld zu geben, indem man ihre Waren kauft."

Carrefour in Frankreich gab zunächst keine Stellungnahme zu den Boykottaufrufen ab. Eine Carrefour-Sprecherin aus China sagte dem "Wall Street Journal" vom vergangenen Sonntag: "Als ausländische Firma in China wollen wir nicht in Politik oder Sport involviert sein."

Unklar ist, ob die Boykott-Kampagne staatlich orchestriert ist oder von sich aus entstand. Fest steht aber: Chinesische Zeitungen wie "Shanghai Daily" und "People's Daily" berichten in ihren Online-Ausgaben im breiten Umfang darüber. Laut "People's Daily" finden sich die Aufrufe auf zahlreichen Web-Plattformen wie Tianya, Xici, Mop oder Sohu. Ähnliche Botschaften habe es in Netzwerken von Exil-Chinesen im Westen gegeben. So habe der Eintrag "Boykottiert China, sosehr ihr könnt" die höchste Klickrate in einem chinesischen Forum aus Toronto gehabt. Der Autor des Eintrags habe auch eine Liste mit französischen Firmen zur Verfügung gestellt.

Zwar berichtet "People's Daily" auch über Stimmen von chinesischen Internet-Nutzern, die an der Zweckmäßigkeit der Boykottaufrufe zweifeln. So wird ein Nutzer zitiert, der schreibt, wirkungsvoller sei es, "die Stärke unseres Landes zu steigern". Ein anderer schreibe: "Ich liebe Louis Vuitton! Ich kann sie nicht boykottieren."

Die Zeitung betont aber auch, der Ärger sei "auf keinen Fall unbegründet". Sie schreibt von "brutaler Gewalt" beim Fackellauf durch Paris, als "Extremisten" versucht hätten, einem behinderten chinesischen Athleten die Fackel zu entreißen. Der französischen Regierung attestiert "People's Daily" eine "unfreundliche Haltung". Die französischen Medien hätten sogar "eine noch schlimmere Haltung" eingenommen.

Matthias Streitz mit Reuters

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