Rettungskonzept Schaeffler bemüht sich um Fusion mit Conti

Im Kampf um die Rettung der Automobilzulieferer Schaeffler und Continental machen immer wieder neue Lösungsansätze die Runde. Jüngster Vorschlag: die Zusammenführung von Schaeffler und Conti unter einer Dachgesellschaft. Doch die Banken scheuen das Risiko.


Frankfurt am Main - Schaeffler arbeitet nach Informationen des manager magazin gemeinsam mit der bayerischen Staatsregierung an einem neuen Rettungskonzept für sich und die Continental. Den Plänen nach sollen die beiden angeschlagenen Unternehmen in eine neue Gesellschaft mit Sitz in Herzogenaurach eingebracht werden.

Schaeffler-Miteigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler: Banken scheuen das Risiko
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Schaeffler-Miteigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler: Banken scheuen das Risiko

Schaeffler baut sich damit eine mögliche Alternative zu einem von den Gläubigerbanken entwickelten Rettungskonzept auf. Danach würde das operative Schaeffler-Geschäft komplett in Continental integriert. Das Konzept stößt aber auch innerhalb der Gläubigerbanken auf Widerspruch. Durch einen solchen Schritt würden die Schulden und damit die Risiken der Banken deutlich steigen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Rund ein Dutzend der insgesamt 50 Conti-Kreditgeber hätten Widerstand gegen eine volle Integration des fränkischen Wälzlagerherstellers Schaeffler in den Conti-Konzern angekündigt. Sie forderten unter anderem eine Kapitalerhöhung eines neu formierten Unternehmens, um so die Schuldenlast zu reduzieren, sagte der Insider.

Klage gegen Aufsichtsratswahl

Auch die "Financial Times Deutschland" berichtete vorab von einem Widerstand der Conti-Banken gegen eine Komplettübernahme von Schaeffler. Zur Vertretung ihrer Interessen wollten die Conti-Banken demnächst einen Lenkungsausschuss bilden, schreibt das Blatt.

Auch zwischen den Unternehmen ist die Stimmung alles andere als friedlich. So sieht sich Continental-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer einer neuen Klage von Aktionärsschützern gegenüber. Christian Strenger, Aufsichtsrat der Investmentgesellschaft DWS und Mitglied der Corporate-Governance-Kommission, ficht darin die Wahl des Aufsichtsrats vom 23. April an. "Herr Koerfer ist nicht nur aus pekuniären Gründen als wirtschaftlich von Schaeffler abhängig anzusehen", sagte Strenger dem manager magazin. "Eine ausreichend unabhängige Wahrnehmung der Interessen aller Continental-Aktionäre dürfte daher ausscheiden." Strenger zufolge kassierte Koerfer 2008 von Schaeffler ein Honorar in zweistelliger Millionenhöhe.

Schaeffler hält 49,9 Prozent an Conti und hat weitere 40 Prozent der Anteile bei Banken geparkt. Der Konzern ist durch die Übernahme allerdings in akute Finanznot geraten und verhandelt mit den Gläubigerbanken, dem Bund und den beteiligten Ländern über ein Rettungskonzept. Gemeinsam kommen Schaeffler und Conti auf eine Verschuldung von mehr als 20 Milliarden Euro.

mik/Reuters/dpa-AFX

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