Rettungspaket für Banken Ökonomen kritisieren Gehältergrenze

Der Bund will die üppigen Saläre der Bankmanager deckeln - wenn die Institute das nun verabschiedete Rettungspaket annehmen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hält diese Praxis für wenig sinnvoll.


München/Frankfurt am Main/Bremen - Das Münchner Ifo-Institut rechnet mit einem Scheitern des 500 Milliarden Euro schweren Finanzrettungspakets der Bundesregierung. Grund dafür: Die vorgesehene Gehaltsdeckelung für Manager schrecke die Institute ab. "Ich möchte die Bank sehen, die dieses Paket in Anspruch nimmt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag dem Nachrichtensender N24.

Banken in Frankfurt am Main: "Finanzspritzen aufzuzwingen"
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Banken in Frankfurt am Main: "Finanzspritzen aufzuzwingen"

Die Banken würden die Hilfen nicht in Anspruch nehmen, weil die Manager darüber entscheiden müssten, warnte Sinn. "Und die müssen damit akzeptieren, dass ihr Gehalt auf 500.000 Euro reduziert wird." Die meisten Bankmanager aber verdienten ein Vielfaches davon. "Das ist der Pferdefuß", so Sinn. Eine Bank werde die Hilfen daher nur in Anspruch nehmen, wenn sie kurz vor dem Konkurs stehe.

Sinn schlug als Alternative vor, den Banken die staatlichen Finanzspritzen aufzuzwingen. "Es gibt nur einen Weg: Man muss also den Banken das Eigenkapital aufzwingen", erläuterte Sinn. Das dürfe keiner freiwillig entscheiden.

Auch der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel übte Kritik an der Gehältergrenze. Zwar befürworte er es, "die Vergabe von staatlichen Mitteln zur Rekapitalisierung notleidender Banken an Bedingungen zu knüpfen." Eine generelle Beschränkung der Gehälter auf eine halbe Million Euro pro Jahr halte er für ökonomisch nicht rational.

Als Konsequenz aus der Finanzkrise verzichten Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank geschlossen auf ihre Bonuszahlungen für das laufende Geschäftsjahr. Ein Banksprecher erklärte, der Vorstand habe sich einem entsprechenden Vorschlag von Konzernchef Josef Ackermann angeschlossen. Auch die Mitglieder des Kontrollgremiums verzichteten auf ihre variablen Vergütungsanteile.

Allerdings will die Deutsche Bank nach Informationen von SPIEGEL ONLINE keine Hilfen des Staates annehmen. Das sagte Vorstandschef Josef Ackermann bei der jährlichen Management-Tagung des Instituts in Frankfurt am Donnerstag. An der Veranstaltung hätten 180 bis 200 Top-Manager des größten deutschen Geldhauses teilgenommen.

suc/dpa-AFX/ddp



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