Rettungsplan Opel streicht bis zu 10.000 Stellen

Opel hat die Belegschaft über die anstehenden Einschnitte informiert: 9500 Mitarbeiter werden ausgelagert, abgefunden oder sollen in Teilzeit gehen. Betroffen sind die Werke Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern. Außerdem soll mehr als ein Zehntel der Führungskräfte gehen. Betriebsbedingte Kündigungen, heißt es, werde es nicht geben.

Rüsselsheim - Bei Opel sollen im Rahmen der Sanierung rund 9500 Stellen in Deutschland gestrichen werden, sagte Opel-Personalvorstand Norbert Küpper auf einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim. In einer späteren Mitteilung von Opel hieß es dann, es könnten sogar bis zu 10.000 Stellen betroffen sein. Die Begründung für die höhere Zahl: Der Personalabbau beinhalte auch eine Reduzierung der Führungskräfte um 15 Prozent. Europaweit sollen rund 12.000 Stellen bei der Opel-Mutter GM Europe wegfallen.

In Verbindung mit Einschnitten in den anderen europäischen Ländern bringe das Programm eine jährliche Senkung der Fixkosten um 500 Milionen Euro, teilte GM mit. Der Großteil der Einsparungen soll schon 2005 durchgedrückt werden. Nach Angaben des Personalvorstands wird Opel 2005 und 2006 trotzdem nicht die schwarzen Zahlen erreichen. Investitionen in zukünftige Produktentwicklungen würden nicht beeinträchtigt.

Der Großteil des Stellenabbaus entfällt auf das Stammwerk in Rüsselsheim. Nach Angaben von Betriebsratschef Dietmar Hahn sollen dort 4100 Stellen gestrichen werden. In Bochum seien 3600 Arbeitsplätze betroffen, in Kaiserslautern 400. "Das Programm beinhaltet keine betriebsbedingten Kündigungen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. "Es ist der schärfste Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte."

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Opel in Deutschland: Wo die deutsche GM-Tochter was baut

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Opel in Deutschland

Kern der Vereinbarung sei ein freiwilliges Abfindungsangebot, das sich an alle Beschäftigten richtet sowie die Gründung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften an den Standorten Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern, berichtete der Betriebsrat. 6500 Arbeitnehmer sollen in Beschäftigungsgesellschaften wechseln oder eine Abfindung erhalten. Rund 3000 sollen in Altersteilzeit gehen oder in Kooperationen mit Zulieferern wechseln.

Offen bleibt, ob der US-Mutterkonzern eines der deutschen Werke komplett schließt. Nach Angabe des Betriebsrates wird in den kommenden Verhandlungsrunden ein Zukunftsvertrag für die hiesigen Standorte bis 2010 thematisiert.

Experten sind skeptisch

Für den Stellenabbau stellt GM eine hohe Summe bereit. "Wir haben GM eine Milliarde Dollar aus den Rippen geschnitten", sagte Franz auf der Betriebsversammlung vor mehreren tausend Opel-Mitarbeitern.

Der US-Konzern steht in Europa unter Handlungsdruck. Seit vier Jahren schreibt der Bereich, zu dem neben Opel auch Vauxhall (Großbritannien) und Saab (Schweden) gehören, rote Zahlen. Zuletzt hatte die US-Mutter das Ziel aufgegeben, 2004 in die Gewinnzone zurückkehren zu können.

Beobachter beurteilen den Rettungsplan kritisch. "Das reicht nicht", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es fehlten Vorschläge, wie die Marke Opel wieder attraktiver für die Käufer werden könne, urteilt der Experte.

Stattdessen gebe es nun einen "faulen Kompromiss" - auf Kosten des Sozialstaats. "Managementfehler sollen so von den Beitragszahlern der Sozialversicherung abgefedert werden", erklärt Meinig.

Jörn Sucher

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