Rewe Baumärkte für Frauen

Es gibt wohl wenige Domänen, die heute noch so von Männern beherrscht werden wie der Baumarkt. Der Handelskonzern Rewe will nun verstärkt Frauen und andere Gelegenheitshandwerker zu passionierten Hammer- und Bohrerkäufern machen. Mit ganz speziellen Angeboten.


Köln/Bad Säckingen - Der Gang in den Baumarkt ist für Gelegenheitshandwerker meist noch immer wie eine Dschungel-Expedition: Unmengen an Dichtungen, Schläuchen und Schrauben in spartanisch ausgezeichneten Kisten und Regalen, Maschinen mit Beschreibungen, die vor allem aus Einzelbuchstaben und Ziffern zu bestehen scheinen. Nach einem mühsamen Kampf und vielen Irrwegen kann der Weg schließlich zum Ziel führen. Spaß macht der Rundgang durch diese fremde Welt aber allenfalls echten Handwerk-Fans oder Abenteurern, schlussfolgerte Deutschlands zweitgrößter Handelskonzern Rewe jetzt. Vor allem Frauen würden sich dagegen eher abgeschreckt fühlen.

Frauen beim Heimwerkern: Großes Umsatzpotential für Baumärkte
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Frauen beim Heimwerkern: Großes Umsatzpotential für Baumärkte

Rewe will jetzt alles anders machen, zumindest wenn man den Ankündigungen heute glauben darf. Dass Unternehmen plant, mit seiner Baumarkttochter Toom in der harten Branche stärker mitzumischen - und zwar speziell mit Service-Angeboten für Frauen und andere Gelegenheitshandwerker.

Die deutsche Baumarktbranche stehe "angesichts stagnierender Umsätze bei steigenden Verkaufsflächen am Scheideweg", erklärte Rewe-Vorstandsmitglied Josef Sanktjohanser. Bisher würden von den Baumärkten vor allem so genannte Intensivheimwerker angesprochen. Diese Gruppe stelle nach Marktanalysen aber nur etwa ein Viertel der schätzungsweise 23 Millionen Heimwerker in Deutschland.

Die Rewe-Gruppe will vor allem mit mehr Beratung gegensteuern. Neben dem klassischen Baumarktangebot würden in dem neuen Markttyp Service und Beratungskompetenz von Handwerkern, Wohnausstattern und Innenarchitekten angeboten. So könnten Kunden beispielsweise die Renovierung eines Wohnzimmers planen lassen. Für Arbeiten, die der Kunde nicht selbst ausführen wolle, vermittele der Baumarkt die Handwerker. Designexperten des Architektenservice planten die neue Einrichtung, komplett mit genauen Angaben über Kosten und Aufwand.

Ein erster Baumarkt neuer Ausrichtung eröffnete heute in Bad Säckingen bereits die Tore. Dort arbeiten nach Angaben des Konzerns insgesamt 70 Beschäftigte. Das seien 20 bis 25 Prozent mehr als sonst in vergleichbar großen Märkten. In diesem Jahr würden insgesamt 30 bis 35 Märkte auf das neue Konzept umgestellt.

Toom ist mit einem Nettoumsatz von 1,3 Milliarden Euro nach Rewe-Angaben Nummer sechs in der deutschen Baumarktbranche. Das Unternehmen betreibt aktuell 256 Märkte und hat 9150 Beschäftigte. "Wir werden mit tToom den Konsolidierungsprozess der Branche aktiv mitgestalten und gestärkt daraus hervorgehen", sagte Vorstand Sanktjohanser in Bad Säckingen. Deutschlands führender Handelskonzern Metro hat sich in den vergangenen Monaten komplett aus dem hart umkämpften deutschen Baumarktgeschäft zurückgezogen und die restlichen Anteile an der früheren Tochter Praktiker abgegeben. Praktiker ist Nummer zwei der Branche nach Obi.

ase/AP/dpa



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