Rezession Bernanke macht der Wirtschaft Mut

Ben Bernanke verbreitet Optimismus. Der Chef der US-Notenbank sieht erste Anzeichen, dass sich die Wirtschaft erholen könnte - und stößt damit ins selbe Horn wie US-Präsident Obama: Mit Geduld und Beharrlichkeit lasse sich die Krise überwinden.


Washington - Ben Bernanke bemühte sich am Dienstag um Optimismus: "Wir haben in letzter Zeit zaghafte Anzeichen dafür gesehen, dass sich der starke Abschwung bei den wirtschaftlichen Aktivitäten verlangsamen könnte", sagte der US-Notenbankchef in einer Rede vor Studenten in Atlanta. Indikatoren für eine Stabilisierung der Lage seien die zuletzt gemessenen leichten Zunahmen bei Wohnungskäufen, Baugenehmigungen und Konsumausgaben.

US-Notenbankchef Bernanke: "Fundamental optimistisch"
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US-Notenbankchef Bernanke: "Fundamental optimistisch"

"Ich bin fundamental optimistisch mit Blick auf unsere Wirtschaft", sagte der Notenbankchef. Die gegenwärtige Krise sei eine der schwierigsten wirtschaftlichen Episoden der jüngeren Geschichte. "Aber die Grundlagen unserer Wirtschaft sind robust, und es gibt keine Probleme, die wir nicht mit Einsicht, Geduld und Beharrlichkeit überwinden können."

Bereits am Wochenende hatte sich US-Präsident Barack Obama bemüht, Hoffnung zu verbreiten. "Wir können Fortschritte erkennen, und wenn wir dranbleiben, dann bin ich absolut überzeugt, dass wir unsere Wirtschaft zurück auf den richtigen Weg bringen", sagte Obama nach einem Treffen mit führenden Politikern und Vertretern der Finanzaufsicht im Weißen Haus.

Bernanke betonte aber, dass eine Gesundung des Finanzsektors Vorbedingung für ein Ende der Rezession sei. Die Gefahr einer Inflation infolge der stark gelockerten Geldpolitik sehe er nicht, sagte der Währungshüter. "Die Inflation wird noch eine Zeitlang sehr niedrig bleiben."

Finanzminister Peer Steinbrück hatte dagegen am Wochenende vor einer weltweiten Inflation gewarnt, wenn Regierungen über weitere Konjunkturprogramme immer neues Geld in das Finanzsystem pumpen. Kurzfristig gebe es kein Inflationsproblem, sagte Steinbrück der "Bild"-Zeitung: "Mittelfristig müssen wir uns aber darum kümmern, wie wir die Milliarden an Liquidität wieder aus der Welt bekommen, die wir jetzt in die Wirtschaft pumpen."

Für einen Dämpfer sorgten in den USA am Dienstag aktuelle Konjunkturdaten: Amerikanische Einzelhändler verkauften im März überraschend 1,1 Prozent weniger als im Vormonat, teilte das Handelsministerium mit. Im Januar und Februar hatte es noch Zuwächse von 1,9 und 0,3 Prozent gegeben.

Der Einzelhandelsumsatz gilt als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftsleistung zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt. Experten führen die Kaufzurückhaltung vor allem auf die steigende Arbeitslosigkeit zurück. Im März hatte die Arbeitslosenquote mit 8,5 Prozent den höchsten Stand seit 25 Jahren erreicht.

Von Reuters befragte Analysten hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Vor allem von der Zurückhaltung der Konsumenten betroffen waren Haushaltsgeräte und Elektronik: Hier fiel das Minus mit 5,9 Prozent besonders hoch aus. Der Umsatz mit Autos und anderen Fahrzeugen sank mit 2,5 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich.

Die unerwartet schlechten Umsatzzahlen im Handel sorgten an US-Börsen umgehend für Ernüchterung: Vor allem traf es Branchenprimus Wal-Mart, der knapp zwei Prozent einbüßte. Der Dow Jones verlor kurz nach Börsenstart 1,4 Prozent und rutschte zeitweise unter 8000 Punkte, der breiter gefasste S&P-500 büßte 1,5 Prozent ein. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor ein Prozent.

Obama spricht über Konjunkturentwicklung

Am Nachmittag wird US-Präsident Barack Obama einen Quartalsbericht zur Entwicklung der Volkswirtschaft vorlegen. Die Rede in der Georgetown-Universität in Washington ist eine Zwischenbilanz der Konjunkturentwicklung. Nach Angaben seiner Berater sieht Obama einige Anzeichen für eine Besserung der Lage, aber auch noch viele Unwägbarkeiten mit düsteren Vorzeichen.

Zu letzteren gehört vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt, die erst mit einiger Verzögerung auf den konjunkturellen Einbruch reagiert. "Wir werden wahrscheinlich noch viele, viele Monate der Arbeitslosigkeit erleben, wenn Hunderttausende Menschen ihre Jobs verlieren", sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs.

cte/Reuters/dpa

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