Rezession Bundesbank-Chef fordert weitere Zinssenkung

Der EZB-Zinssatz ist auf einem historischen Tief - Bundesbank-Chef Weber sieht trotzdem Spielraum für eine weitere Senkung. Gleichzeitig warnt er aber vor einem zu großen Schritt: Dann drohe die Gefahr, dass sich private Banken untereinander kein Geld mehr leihen.


Hamburg - Bundesbank-Präsident Axel Weber hat sich im Kampf gegen die Finanzkrise für zusätzliche Erleichterungen für Banken ausgesprochen. Beim Leitzins sei noch Spielraum vorhanden, der genutzt werden solle, sagte Weber, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank sitzt. Die EZB hatte den Zins Anfang April um 0,25 auf 1,25 Prozent gesenkt - ein historischer Tiefstand.

Bundesbank-Chef Axel Weber: Ein Prozent Untergrenze für EZB-Leitzins
DDP

Bundesbank-Chef Axel Weber: Ein Prozent Untergrenze für EZB-Leitzins

Mit den Mini-Zinsen versucht die Zentralbank, die Konjunktur in Europa wieder anzukurbeln. Die Idee: Je günstiger sich die Unternehmen und Banken Geld leihen können, desto eher investieren sie.

Weber sieht allerdings eine Untergrenze: Eine Senkung unter ein Prozent sehe er kritisch. Weil dann das Ausleihen überschüssiger Liquidität praktisch nicht mehr vergütet werde, bestehe die Gefahr, dass der private Interbankenmarkt zum Erliegen komme. Marktakteure wie Geldmarktfonds wären dann "schlicht in ihrer Existenz bedroht", sagte Weber. Beim Einlagezinssatz sei bereits die untere Grenze erreicht, sagte Weber und bekräftigte damit frühere Aussagen von Notenbankern.

Priorität im Kampf gegen die Krise sollten nun Maßnahmen wie verlängerte Laufzeiten der Liquiditätsversorgung haben, sagte Weber. "Direkte Eingriffe in den Kapitalmarkt sollten dagegen hinten anstehen." Die Notenbanken sollten die starke Rolle der Banken für das kontinentaleuropäische Finanzsystem berücksichtigen. Der EZB-Rat entscheidet Anfang Mai über zusätzliche Maßnahmen unkonventioneller Geldpolitik.

Kritik, dass die Leitzinssenkungen der EZB von den Kreditinstituten nicht weitergegeben werden, trat Weber entgegen: Untersuchungen der Bundesbank für den Zeitraum von Oktober 2008 bis Februar 2009 zeigten, dass bei kurzfristigen Unternehmenskrediten etwa 75 bis 80 Prozent der Zinssenkungen weitergegeben worden seien, "was dem typischen Reaktionsmuster annähernd entspricht". Die Zinsen für Kredite mit längeren Laufzeiten würden dagegen von anderen Größen wie etwa dem Kapitalmarktzins beeinflusst und seien deswegen noch nicht so stark zurückgegangen.

cte/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.