Rezession Deutschlands Exporte brechen um 21 Prozent ein

Deutschland leidet als Exportnation besonders unter der Rezession. Im ersten Quartal haben sich die Ausfuhren laut Statistischem Bundesamt um 21 Prozent reduziert. Doch die Verbraucher trotzen der Krise - für Experten ist das ein Rätsel.


Berlin - Deutschlands Exporte brechen weiter ein - im ersten Quartal 2009 erneut um 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag wurden nur noch Waren im Wert von 199 Milliarden Euro ausgeführt.

Export: 22 Prozent Rückgang innerhalb der EU
HHLA

Export: 22 Prozent Rückgang innerhalb der EU

Exporte in Länder außerhalb der EU gingen etwas weniger stark zurück als die Gesamtausfuhren. Überdurchschnittlich stark war der Rückgang mit 38,7 Prozent bei Exporten in die Türkei und nach Russland mit 31,4 Prozent. Die Versendungen in die USA verringerten sich um 26,4 Prozent. Vergleichsweise gut liefen die Ausfuhren nach China mit minus 3,3 Prozent, in die Schweiz mit minus 7,3 und nach Indien mit minus acht Prozent. In die EU gingen Waren im Wert von 127,3 Milliarden Euro, ein Rückgang von 22 Prozent.

Die Bürger lassen sich von diesen Hiobsbotschaften jedoch nicht die Kauflaune verderben. Trotz der schärfsten Rezession seit 60 Jahren stieg der Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Das GfK-Konsumklima für Juli stieg von 2,6 auf 2,9 Punkte. Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim sagte, es sei paradox, dass Deutschland sich in einer tiefen Rezession befinde und sich das Konsumklima sogar noch weiter aufhelle.

Geld sei vorhanden, sagte die Volkswirtin weiter, die Leute hätten real mehr in der Tasche, weil die Inflation zurückgegangen ist. Und sie seien derzeit auch bereit, das Geld auszugeben.

Von Dauer werde das positive Konsumklima aber nicht sein: "Durch die Kurzarbeiterregelung haben wir aber nur eine geborgte Zeit. Es wird 2010 zu einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen, das wird den Konsumenten Schwierigkeiten bereiten", sagte Kastens.

Derzeit stützt der Konsum die Konjunktur. Laut Klaus Schrüfer von der SEB Bank sind die Aussichten mittelfristig aber trübe. "Die Finanzkrise ist bei den meisten Menschen noch nicht angekommen. Die Unternehmen halten sich mit Entlassungen noch zurück."

Auch Simon Juncker von der Commerzbank warnt vor zu viel Optimismus: "Die niedrige Inflationsrate wird die Anschaffungsneigung zwar weiter positiv beeinflussen. Die Leute haben aber nicht verstanden, dass auf dem Arbeitsmarkt das Schlimmste noch bevorsteht. Die Situation hier wird sich bis Ende 2010 hinein verschlechtern. Ich kann deswegen nicht verstehen, dass sich die Einkommenserwartung so stark verbessert hat."

cte/Reuters/AP



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