Rezession Dow Jones rutscht unter 8000 Punkte

Die Autobranche in der Krise, die Börsen auf Talfahrt: Der Dow-Jones-Index ist um gut fünf Prozent gefallen und schließt auf dem tiefsten Stand seit der Irak-Invasion im März 2003. Die US-Notenbank prophezeit weiter Düsteres - und verstärkt damit die Angst vor dem Kollaps.


New York - Wie geht es weiter mit den großen US-Automobilherstellern? Die Unsicherheit über eine Rettung der angeschlagenen Konzerne hat die US-Börsen wieder in den freien Fall getrieben. Der Dow-Jones-Index fiel am Mittwoch erstmals seit März 2003 und damit seit dem US-Einmarsch in den Irak unter 8000 Punkte. Der Index der Standardwerte beschleunigte seine Talfahrt zu Handelsschluss und beendete den Tag mit einem Minus von 5,1 Prozent bei 7997 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 7987 und 8504 Stellen.

Börsianer an der Wall Street: Düstere Perspektiven
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Börsianer an der Wall Street: Düstere Perspektiven

Der breiter gefasste S&P-500 brach 6,1 Prozent auf 806 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 6,5 Prozent auf 1386 Stellen. In Frankfurt verlor der Dax getrieben von einer Gewinnwarnung des Chemiegiganten BASF 4,9 Prozent auf 4354 Punkte.

Die US-Notenbank verstärkte die Sorgen: Angesichts der düsteren Aussichten schließt die Federal Reserve weitere Zinssenkungen nicht aus. Für das Jahr 2009 werde ein Schrumpfen von 0,2 Prozent bis zu einem Wachstum von 1,1 Prozent für die US-Wirtschaft erwartet, teilte die Fed am Mittwoch mit. Im Juli hatte die Notenbank der US-Wirtschaft noch eine Steigerung von 2,0 bis 2,8 Prozent vorhergesagt.

Für das laufende Jahr erwartet die Fed eine Entwicklung von einer Stagnation bis zu 0,3 Prozent Wachstum. In ihrer letzten Prognose rechnete die Fed für 2008 noch mit einer Steigerung von einem bis 1,6 Prozent. Nach der neuesten Fed-Analyse könnte sich die US-Wirtschaft im Jahr 2010 mit einem Wachstum von 2,3 bis 3,2 Prozent leicht erholen.

Die US-Verbraucherpreise sind im Oktober mit Rekordtempo um 1,0 Prozent gesunken. Dies ist der stärkste monatliche Rückgang seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947. Auf dem Immobilienmarkt brach zudem die Zahl der Baugenehmigungen überraschend deutlich ein, die Baubeginne nahmen ebenfalls weiter ab.

Uneinigkeit im US-Kongress

Gegen wachsenden Widerstand haben die drei großen amerikanischen Autokonzerne ihren Rettungsbedarf allerdings vor dem Kongress untermauert. Bei einer zweiten Anhörung binnen 24 Stunden boten die Unternehmenschefs des angeschlagenen Opel-Mutterkonzerns General Motors(GM), von Ford und Chrysler Zugeständnisse bei ihrem eigenen Gehalt, der Geschäftspolitik sowie der Abwicklung der erbetenen Kredite an, um die Skeptiker zu überzeugen.

Zwar herrschte am Mittwoch im Repräsentantenhaus weitgehend Einigkeit, dass die Autobauer 25 Milliarden Dollar zur Überbrückung ihrer Finanznöte erhalten sollen. Umstritten war aber, wie weit die Steuerzahler belastet oder ob bereits verabschiedete Hilfen dafür verwendet werden sollen. Viele Experten argumentieren zudem, es sei zukunftsträchtiger, die Konzerne die Krise durchstehen zu lassen.

Ein Zusammenbruch der für die Gesamtwirtschaft ungemein wichtigen Autobranche würde die US-Wirtschaft nach Ansicht vieler Marktteilnehmer jedoch noch tiefer in die Krise stürzen. Zudem habe die Fed bestätigt, was der Markt bereits erkannt habe, sagte Stratege Bruce Zaro. "Die Rezession ist da."

Diese Ängste schickten die Papiere von GM und Ford erneut tief in den Keller. Die GM-Aktie brach zeitweilig auf ihren tiefsten Stand seit 66 Jahren ein und ging mit einem Minus von 9,7 Prozent mit 2,79 Dollar aus dem Handel. Ford-Papiere stürzten 25 Prozent auf 1,26 Dollar ab und notierten damit so tief wie seit rund 26 Jahren nicht mehr. Derzeit stütze einfach nichts das Vertrauen, "das der Markt benötigt, um irgendeinen anhaltenden Fortschritt zu erzielen", sagte Alan Lancz von Lancz & Associates.

Finanzwerte rutschen ab

Zu den großen Verlierern gehörten darüber hinaus erneut die Finanzwerte. Viele Marktteilnehmer befürchteten, dass der Branche in Folge der Finanzkrise noch weitere Milliarden- Verluste bevorstehen. Citigroup-Aktien verloren 23,4 Prozent und notierten mit 6,40 Dollar auf dem tiefsten Stand seit mehr als 13 Jahren. Die Bank rutschte damit auf den fünften Platz der US-Rangliste zurück. Die Papiere der Bank of America gaben 14 Prozent nach. JPMorgan-Titel sanken um 11,4 Prozent.

Im neuen SPIEGEL 47/2008:

Das Kapital-Verbrechen
Anatomie einer Weltkrise, die gerade erst begonnen hat

Illustration DER SPIEGEL
Die Yahoo-Aktie stürzte knapp 21 Prozent ab. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte zuvor eine Übernahme ausgeschlossen. Microsoft-Anteilsscheine verloren 6,8 Prozent.

In Frankfurt verlor der Dax getrieben von einer Gewinnwarnung des Chemiegiganten BASF 4,9 Prozent auf 4354 Punkte. Börsianer verwiesen zudem auf weiter vorherrschende Rezessionsängste und aufkeimende Sorgen über eine Deflation in den USA als Belastungsfaktoren. Der MDAX fiel um 4,95 Prozent auf 4926,61 Zähler. Der Technologieindex TecDAX büßte sogar 7,56 Prozent auf 457,16 Zähler ein.

Größte Verlierer im DAX waren Hypo Real Estate, die nach negativen Analystenkommentaren fast 22 Prozent einbüßte, sowie BASF mit fast 15 Prozent Minus nach einer Gewinnwarnung und BMW mit beinahe 13 Prozent. Einziger Gewinner war die Postbank mit noch annähernd zwei Prozent Plus, nachdem Gerüchte über eine schnelle Komplettübernahme durch die Deutsche Bank den Kurs kurze Zeit fast 16 Prozent nach oben getrieben hatten.

ffr/Reuters/dpa/AFP/AP



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