Debatte um Konjunktur US-Finanzministerin sieht keine Anzeichen für Rezession

In den USA diskutieren Experten derzeit, wie gut oder schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist. Finanzministerin Janet Yellen widersprach jetzt den Pessimisten.
US-Finanzministerin Yellen: Verlangsamung des Wachstums war zu erwarten

US-Finanzministerin Yellen: Verlangsamung des Wachstums war zu erwarten

Foto:

SAUL LOEB / AFP

US-Finanzministerin Janet Yellen sieht trotz des wirtschaftlichen Rückgangs in den USA keine Rezession. »Sie sehen keinen signifikanten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen, die typischen Arten von Notlagen, die wir mit dem Wort Rezession verbinden«, sagte Yellen am Donnerstag. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor außergewöhnlich stark – das sei nicht das, was man in vergangenen als Rezession eingestuften Episoden gesehen habe. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei zu erwarten gewesen, wenn man bedenke, wie schnell die Wirtschaft gewachsen sei, als sie sich von der Pandemie und den Arbeitsplatzverlusten erholt habe, so Yellen.

Yellen vermied es zwar, direkt zu sagen, dass die US-Wirtschaft sich nicht in einer Rezession befinde – machte aber deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen nicht ihrem Verständnis eines wirtschaftlichen Abschwungs entsprächen. »Die meisten Ökonomen und die meisten Amerikaner haben eine ähnliche Definition von Rezession«, sagte sie weiter. Dazu zählten erhebliche Arbeitsplatzverluste, Massenentlassungen und die Schließung von Unternehmen im privaten Sektor. All dies passiere aktuell in den USA nicht.

Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent gefallen, hatte das Handelsministerium am Donnerstag mitgeteilt. Bereits im Winter war die Wirtschaft geschrumpft. Ökonomen sprechen von einer technischen Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht – so wie nun in den USA.

Viele Ökonomen halten den Abschwung indes für eher aufgeschoben als aufgehoben. Das aktuell erfasste Minus »spiegelt eine Konjunktur wider, die sich rapide verlangsamt«, warnt Lydia Boussour von Oxford Economics. Die Konsumenten seien zunehmend verunsichert, der Boom am Immobilienmarkt zu Ende. Und Powell habe darauf hingewiesen, dass der bremsende Effekt der Zinserhöhungen in der Wirtschaft bislang noch gar nicht vollständig angekommen sei.

mik/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.