Rezession Japan plant Konjunkturpaket in Rekordhöhe

Exportnation in Not: Angesichts der weltweiten Finanzkrise leidet Japan unter der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Ein Konjunkturpaket soll den Abschwung jetzt abfedern - es umfasst Hilfen in bisher nicht gekanntem Ausmaß.


Tokio - Das Paket soll nach Angaben von Finanzminister Kaoru Yosano haushaltswirksame Ausgaben von mehr als zehn Billionen Yen umfassen - das sind umgerechnet 74 Milliarden Euro. Die Regierung wolle über das Paket am Freitag abschließend entscheiden, hieß es.

Börsenanzeige in Tokio: Kreditklemme bedroht viele Unternehmen
DPA

Börsenanzeige in Tokio: Kreditklemme bedroht viele Unternehmen

Wegen ihrer Exportabhängigkeit ist die zweitgrößte Volkswirtschaft besonders hart von der Weltwirtschaftskrise betroffen. Angesichts beispielloser Exporteinbrüche war die Industrie zu drastischen Einschnitten gezwungen - dazu gehörte die Schließung ganzer Fabriken und der Abbau von Zigtausenden von Arbeitsplätzen.

Die Regierung hat bereits mehrere Konjunkturpakete im Gesamtvolumen von 75 Billionen Yen geschnürt, wobei davon zwölf Billionen Yen haushaltswirksam sind. Dies entspricht rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die neue Konjunkturspitze zielt unter anderem auf ein Sicherheitsnetz für die vielen nicht regulär Beschäftigten, die von den Massenentlassungen besonders hart getroffen sind. Auch soll den vielen unter der Kreditklemme leidenden kleineren Unternehmen, die einen Großteil der Arbeitsplätze stellen, geholfen werden. Durch Förderung unter anderem der Solarenergie und des Pflegesektors soll wiederum das Wachstumspotential gestärkt werden.

Zur Finanzierung des neuen Rekordpakets will die Regierung dem Parlament voraussichtlich Ende dieses Monats einen Nachtragshaushalt für das seit 1. April laufende Fiskaljahr 2009 vorlegen. Die Ausgaben würden sich auf mehr als zwei Prozent des rund 500 Billionen Yen starken Bruttoinlandsprodukts belaufen, wurde Yosano weiter zitiert.

Erst kürzlich hatte das Parlament den neuen Staatshaushalt mit einem Rekordvolumen von 88,5 Billionen Yen verabschiedet. Nach Einschätzung der OECD wird Japans Wirtschaft in diesem Jahr um 6,6 Prozent schrumpfen. Mit dem Beginn einer umfassenden Konjunkturerholung rechnen manche Ökonomen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2010.

mik/dpa-AFX



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