SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. Juni 2009, 11:35 Uhr

Rezession

RWI erwartet Schrumpfen der Wirtschaft um 6,4 Prozent

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal stärker eingebrochen als erwartet. Darum hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung seine Konjunkturprognose deutlich nach unten korrigiert - auf minus 6,4 Prozent. Für 2010 prognostizieren die Forscher eine Konsolidierung.

Essen - Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung deutlich gesenkt. Statt eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts von 4,3 Prozent wie im März prognostiziert werde nun für 2009 mit einem Minus von 6,4 Prozent gerechnet, teilten die Forscher in Essen mit. Für 2010 rechnet das RWI mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent.

Bauarbeiter in Berlin: RWI erwartet für 2010 ein Plus von 0,2 Prozent
DDP

Bauarbeiter in Berlin: RWI erwartet für 2010 ein Plus von 0,2 Prozent

Mit dieser Prognose sind die Wirtschaftsexperten nicht allein: Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr einen BIP-Rückgang von sechs Prozent und im kommenden Jahr ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Dies entspricht auch der Einschätzung der meisten Forschungsinstitute und Institutionen. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung noch um 1,3 Prozent gewachsen, 2007 sogar um 2,5 Prozent.

Wesentlicher Grund für die deutliche Absenkung der Prognose sei die Schärfe des Wachstumseinbruchs im ersten Quartal, teilte das RWI weiter mit. Allerdings scheine die Abwärtsbewegung inzwischen gebremst. Einige Indikatoren deuteten sogar auf eine Bodenbildung hin. Zudem hätten sich die Erwartungen aufgehellt. Anzeichen für einen beginnenden kräftigen Aufschwung gebe es allerdings nicht.

Die Zahl der Arbeitslosen wird nach Einschätzung der RWI-Forscher in diesem Jahr bei durchschnittlich 3,5 Millionen und 2010 bei 4,3 Millionen liegen. Dies entspricht einer Quote von 8,1 beziehungsweise zehn Prozent. Ende 2010 dürfte die Zahl sogar bis auf 4,6 Millionen ansteigen.

Zudem werde sich die Finanzlage des Staates "erheblich verschlechtern". Dies sei zum einen rezessionsbedingten Einbußen beim Steuer- und Beitragsaufkommen sowie deutlich höheren Ausgaben für den Arbeitsmarkt geschuldet. Zum anderen führten die Konjunkturprogramme und die Umsetzung von zwei Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zu erheblichen Haushaltsbelastungen.

cte/AP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung