Rezessionsbekämpfung BDI kritisiert Krisenmanagement der Bundesregierung

Die Lage ist ernst, doch eine klare Linie der Politik ist nach Ansicht des BDI-Präsidenten nicht zu erkennen. Hans-Peter Keitel beanstandet die "Vielstimmigkeit" bei der Krisenbekämpfung - und warnt vor einem langen Abschwung.


Berlin - Das Hin und Her geht ihm auf die Nerven: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hat das Krisenmanagement der Bundesregierung kritisiert. Er sei besorgt über deren Vielstimmigkeit, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Heute sagt die Kanzlerin das, morgen der Vizekanzler jenes und der Finanzminister etwas anderes als der Wirtschaftsminister. Das verunsichert und ist nicht hilfreich", erklärte er.

Außerdem warnte er vor einer längeren Rezession der deutschen Wirtschaft: "Solange wir den Boden noch nicht sehen können, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung", sagte Keitel der Zeitung weiter. Die Gefahr, dass Deutschland in eine längere Rezession rutsche, sei nicht völlig auszuschließen. Es sei eine Illusion zu glauben, dass man ganz schnell wieder aus der Krise herauskomme.

Bisher sei der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung noch nicht erkennbar: "Ich hoffe sehr, dass wir im Sommer sehen können, wann der Tiefpunkt erreicht ist", sagte Keitel. "Das bedeutet auch, dass wir in den nächsten Monaten keine guten Nachrichten aus der Wirtschaft hören werden. Wir stehen noch am Anfang der Krise."

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält es für möglich, dass die Rezession in Deutschland schärfer ausfallen könnte als bisher gehofft. Derzeit könne niemand sagen, "wie tief es runter geht", hatte der SPD-Politiker am Donnerstag gesagt. Noch gehe die Regierung offiziell davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,25 Prozent schrumpfen werde. Es bestehe allerdings die Möglichkeit, dass diese Zahl nicht zu halten sein könnte.

sam/AP



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