Richterspruch Dollar diskriminiert Blinde

Alle gleich groß, alle fühlen sich gleich an - so geht es nicht mehr, beschloss jetzt ein Richter in Washington: Die amerikanischen Geldscheine diskriminieren seiner Ansicht nach blinde Menschen. Die Dollar-Noten müssten deshalb umgestaltet werden.


Washington - "Von den mehr als 180 Ländern, die Banknoten auf Papier herausgeben, drucken nur die Vereinigten Staaten Geldscheine, die über alle Werte hinweg in Größe und Farbe identisch sind", erklärte Richter James Robertson in Washington. In mehr als hundert Ländern seien die Geldscheine einfach unterschiedlich groß, "und alle anderen Herausgeber haben wenigstens einige Merkmale geschaffen, die Sehbehinderten helfen."

20-Dollar-Note: Genauso groß und so grün wie alle anderen US-Noten
AP

20-Dollar-Note: Genauso groß und so grün wie alle anderen US-Noten

Die einheitliche Gestaltung in den USA diskriminiere sehbehinderte Menschen dagegen, die die Dollar-Banknoten nicht auseinander halten könnten. Damit verstoße das Finanzministerium gegen das Diskriminierungsverbot im "Rehabilitation Act". Künftig müssten die Scheine deshalb so gemacht sein, dass auch Blinde sie leicht unterscheiden können, erklärte der Richter. Immerhin: Wie das Finanzministerium die Scheine umgestaltet, wolle er nicht vorschreiben.

Der Entscheidung ging ein vierjähriger Rechtsstreit voraus. Regierungsvertreter hatten argumentiert, eine unterschiedliche Gestaltung der Scheine würde den Kampf gegen Blüten erschweren. Das überzeugte Robertson nicht: Schließlich kämen alle anderen Herausgeber von Banknoten mit diesem Problem auch zurecht.

Zwar gibt es elektronische Hilfsmittel, die Blinden die Erkennung der Dollar-Scheine ermöglichen Aber es gibt viele Beschwerden, dass diese langsam, teuer und unzuverlässig seien. Oft müssen Menschen mit Sehbehinderung beim Einkaufen deshalb Verkäufer um Hilfe bitten. "Es ist einfach unfair, dass blinde Menschen auf den guten Willen von Menschen vertrauen sollen, die sie noch nie zuvor getroffen haben", so der Richter.

Die Regierung kann nun innerhalb von zehn Tagen Berufung gegen das Urteil einlegen. Der Amerikanische Blindenrat (American Council of the Blind) hat mehrere Möglichkeiten vorgeschlagen wie den Druck von Geldscheinen mit verschiedenen Größen, eingestanzten Merkmalen oder erhabenen Aufdrucken.

US-Noten hatten nicht immer die gleiche Größe. Erst 1929 standardisierte die US-Regierung die Scheine und machte sämtliche Noten um etwa 20 Prozent kleiner. So sollten die Herstellungskosten gesenkt und gleichzeitig der Kampf gegen Fälschungen erleichtert werden. Seitdem sind die Scheine verschiedene Male geringfügig umgestaltet worden. Bald sollen die neuen Zehn-Dollar-Noten erscheinen, die dann wie schon die 20-Dollar- und die 50-Dollar-Scheine rote, gelbe und orange Sprengsel haben werden.

Die Art, wie sich das Geld anfühlt, zu ändern, würde der Regierung zufolge allerdings teuer werden. Mehrere hundert Millionen Dollar veranschlagten Vertreter dafür vor Gericht. In Anbetracht der Tatsache, dass in den vergangenen zehn Jahren allerdings 4,2 Milliarden Dollar für das Drucken von Geldscheinen ausgegeben worden seien, falle diese Summe nicht allzu sehr ins Gewicht, entschied Robertson.

ase/AP



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