Riesenrad Deutschland baut weltgrößtes Windkraftwerk

Die Bundesrepublik profiliert sich einmal mehr als Vorreiter in Sachen Windenergie: Das weltweit größte Windrad hat am Mittwoch im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel den Betrieb aufgenommen. Kolosse dieser Art sollen später auf hoher See Strom erzeugen.


Windkraftwerk in Brunsbüttel: 10.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart
DPA

Windkraftwerk in Brunsbüttel: 10.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart

Brunsbüttel - Der Generator soll pro Jahr 17 Gigawattstunden Windenergie erzeugen, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin in einer Feierstunde. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von rund 4500 Haushalten. "Mit dieser Anlage demonstriert die deutsche Windkraftindustrie erneut ihre technologisch weltweit führende Position", erklärte der Grünen-Politiker.

Seit Ende 2004 seien die drei einzigen Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse von drei verschiedenen Herstellern in Deutschland in Betrieb. Mit einer solchen Anlage können fast 10.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, erklärte Trittin.

Die Hamburger Firma Repower Systems Chart zeigen hatte die Windenergieanlage für den Offshore-Betrieb entwickelt. Für den 183 Meter hohen Turm wurden rund 1300 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Stahl verbaut. Die drei Rotorflügel mit einem Gewicht von jeweils 18 Tonnen sind jeweils 61,5 Meter lang.

Gebaut für den Betrieb auf hoher See

Die "5M" genannte Anlage hatte am 12. November 2004 den Probe-Betrieb aufgenommen. Im Dezember erreichte sie nach Angaben der Betreiber erstmals ihre maximale Nennleistung.

Voraussichtlich sollen erste Anlagen dieses Typs im Jahr 2006 auf hoher See zum Einsatz kommen, sagte eine Repower-Sprecherin Bettina Linden. Vor dem Offshore-Betrieb soll jedoch zunächst die Funktionsfähigkeit in Brunsbüttel an Land getestet werden. Bei der Offshore-Aufstellung wird die Anlage zusätzlich eine Helikopter-Abseil-Plattform bekommen.

Stromnetzbetreiber haben Transportprobleme

Der Aufbau der ersten Offshore-Windenergieparks in Nord- und Ostsee bringt allerdings auch Probleme mit sich. Stromnetz-Betreiber wie E.ON Chart zeigen und Vattenfall Chart zeigen haben zu wenig Hochspannungsleitungen, um den Strom von den abgelegenen Produktionsstandorten in Norddeutschland zu den großen Verbrauchszentren im Westen und Süden des Landes weiterzuleiten.

Außerdem müssen die Unternehmen einen hohen Aufwand treiben, um die Schwankungen der Einspeisung aus Windenergie abzufangen, die innerhalb weniger Stunden mehrere tausend Megawatt betragen können. Die so genannte Regelenergie wird zum Teil durch Gasturbinen-Kraftwerke bereitgestellt.

Feste Preise sorgen für Windboom

Ungeachtet dieser Probleme hat die Windkraft in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland einen rasanten Aufschwung erlebt. Mit mehr als 16.000 Megawatt installierter Leistung im Jahr 2004 verfügt Deutschland über rund die Hälfte der europäischen Kapazität.

Voraussetzung dafür ist eine feste Einspeisevergütung, die über den Strompreis auf alle Abnehmer umgelegt wird. Derzeit wird jede Kilowattstunde Windstrom mit etwa neun Cent vergütet, rund drei Mal so viel wie konventionell erzeugter Strom kostet.



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