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12. Oktober 2019, 14:52 Uhr

Steuerpflicht

Wie Sie von Ihrer Riester-Rente möglichst viel behalten

Eine Kolumne von

Auf die Auszahlungen aus der Riester-Rente sind grundsätzlich Steuern fällig. Doch viele Senioren können ihre Belastung minimieren, wenn sie ein paar einfache Ratschläge beachten.

Vor knapp 20 Jahren hat die damalige rot-grüne Bundesregierung die gesetzliche Rente reformiert, künftige Renten gekürzt und die Riester-Rente eingeführt. Arbeitnehmer und Beamte sollten mit der Riester-Rente privat fürs Alter vorsorgen - mit staatlicher Förderung. Jedes Quartal veröffentlicht das Bundesarbeitsministerium die Zahl der Riester-Verträge, die noch nicht gekündigt sind: zuletzt waren es rund 16,6 Millionen.

Aber wie viele Riester-Rentner gibt es eigentlich schon?

Eine Statistik dazu auf Basis verlässlicher Daten befinde sich erst im Aufbau, hieß es diese Woche aus dem Arbeitsministerium. Ende vergangenen Jahres hätten die Anbieter insgesamt 268.000 Riester-Rentnerinnen und -Rentner gemeldet, denen sie regelmäßig Renten zahlten. Inzwischen werden es deutlich mehr sein. Man kann also davon ausgehen, dass insgesamt schon heute mehr Menschen eine Riester-Rente beziehen als Magdeburg oder Erfurt Einwohner haben. Vielleicht sind es sogar schon die 300.000, die heute in Bonn oder Münster leben.

Das sind aber lange noch nicht alle, die aus dem staatlich geförderten System schon Geld erhalten haben. Einige Hunderttausend Riester-Rentner hatten bis zum Ruhestand Summen gespart, die klein genug waren, dass sie sich den Betrag auf einen Schlag auszahlen lassen konnten.

Der Gesetzgeber hat dafür im Sozialgesetzbuch (Paragraf 18 SGB IV) eine monatliche Höchstrente festgelegt, die jedes Jahr ein wenig angehoben wird. Wer diese Höchstrente zu Rentenbeginn nicht überschreitet, kann statt der Auszahlung einer Kleinbetragsrente die Einmalzahlung wählen. 2019 liegt diese monatliche Kleinbetragsgrenze bei 31,15 Euro.

Die Frage nach der Steuer

Stellt sich nur eine Frage: Wie ist das mit den Steuern? Denn die Einzahlungen in die Riester-Rentenverträge waren ja steuerfrei, Auszahlung im Rentenalter sind deshalb zu versteuern. Und wer in seinem letzten Jahr Erwerbstätigkeit zum Beispiel 40.000 Euro verdient und dann noch mal 10.000 Euro Einmalbetrag für die Riester-Rente dazubekommt, würde steuerlich ganz schön zur Kasse gebeten.

Dafür hat der Gesetzgeber allerdings die Möglichkeit einer weichen Landung gefunden. Seit Anfang 2018 können Riester-Sparer ihre Kleinbetragsrente mit dem Segen des Finanzamts ins erste volle Rentenjahr schieben; also in das Jahr, in dem sie nicht mehr die 40.000 Euro Einkommen versteuern müssen, sondern vielleicht nur noch 18.000 Euro gesetzliche Rente, von der ein Teil zudem steuerfrei ausgezahlt wird.

Zusätzlich darf der Riester-Steuerzahler seine Abfindungssumme auch noch fünfteln, also für die Festlegung des Steuersatzes so tun, als ob er nur ein Fünftel der Auszahlung bekommen hätte. Für dieses Fünftel wird dann die Steuer ausgerechnet und für die ganze Summe dann einfach mit fünf multipliziert. Fallen für die ersten 2000 Euro etwas mehr als 300 Euro Steuern an, werden es auch für 10.000 Euro insgesamt nicht mehr als 1500 bis 1600 Euro. Die Wirkung der Steuerprogression wird durch diese Fünftelregelung gebremst.

Wichtig für alle angehenden Riester-Rentner: Wenn die Kleinbetragsrente für Sie infrage kommt, vereinbaren Sie mit Ihrem Riester-Anbieter, dass die Summe erst im Jahr nach Eintritt in den Ruhestand gezahlt wird - und sparen Sie so eine Menge Steuern.

Noch wichtiger ist eine solche Vereinbarung für eine zweite Gruppe von Riester-Rentnern. Nämlich für die, die eine höhere Rente bekommen, sich aber trotzdem einen Teil davon gleich zu Beginn auszahlen lassen wollen.

Auch das geht: Wer in Rente geht, darf 30 Prozent der Summe, die er in seinem Riester-Vertrag angespart hat, auf einmal entnehmen. Nur der Rest wird dann als monatliche Rente ausgezahlt. Wenn im Riester-Vertrag beispielsweise 40.000 Euro angekommen sind, dürfte man also 12.000 Euro entnehmen. Die verbleibenden 28.000 Euro würde der Anbieter dann heranziehen, um eine monatliche Rente bis zum Lebensende zu berechnen.

Sowohl auf die 12.000 Euro Einmalzahlung als auch die dann etwas geringeren monatlichen Riester-Rentenzahlungen ist der persönliche Steuersatz fällig. Schließlich profitierten Riester-Sparer während der Ansparphase von staatlichen Zulagen und möglicherweise höheren Sonderausgaben. Auch in diesem Fall ist es günstiger, die Auszahlung der ersten großen Rate und damit den Start der Riester-Rente insgesamt ins Jahr nach dem Ruhestandsbeginn zu verschieben.

Es ist in diesem Fall sogar noch wichtiger. Die 30-Prozent-Entnahme darf man nämlich nicht fünfteln, es fällt also ein höherer Steuersatz an als bei der Kleinbetragsrente. Wer im Jahr des Ruhestandbeginns statt der 40.000 Euro dann 52.000 Euro versteuern müsste, verliert als Single schnell 3000 Euro oder mehr an Steuern. Das könnte man im Folgejahr, dem ersten vollen Jahr mit Rente und ohne Gehalt, deutlich drücken.

Nehmen Sie die Anbieter beim Wort

Aktuell machen bei den Versicherungskunden von R+V, Provinzial oder AachenMünchener bis zu 20 Prozent der Riester-Rentner von der Möglichkeit einer Einmalzahlung Gebrauch, bei der Fondsgesellschaft Union Investment sind es 30 Prozent, bei der Fondsgesellschaft DWS sogar 62 Prozent.

Die Chance, ihre Rentenzahlung durch eine Verschiebung nur um ein paar Monate möglichst wenig geschmälert zu bekommen, ist dennoch vielen Riester-Sparern noch nicht klar. Die meisten Unternehmen haben mir diese Woche geschrieben, dass Sie dies für Ihre Kunden möglich machen.

Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie bald einen Riester-Vertrag ausgezahlt bekommen, nehmen Sie die Anbieter beim Wort.

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