Steuerpflicht Wie Sie von Ihrer Riester-Rente möglichst viel behalten

Auf die Auszahlungen aus der Riester-Rente sind grundsätzlich Steuern fällig. Doch viele Senioren können ihre Belastung minimieren, wenn sie ein paar einfache Ratschläge beachten.

Eine Kolumne von


Vor knapp 20 Jahren hat die damalige rot-grüne Bundesregierung die gesetzliche Rente reformiert, künftige Renten gekürzt und die Riester-Rente eingeführt. Arbeitnehmer und Beamte sollten mit der Riester-Rente privat fürs Alter vorsorgen - mit staatlicher Förderung. Jedes Quartal veröffentlicht das Bundesarbeitsministerium die Zahl der Riester-Verträge, die noch nicht gekündigt sind: zuletzt waren es rund 16,6 Millionen.

Aber wie viele Riester-Rentner gibt es eigentlich schon?

Eine Statistik dazu auf Basis verlässlicher Daten befinde sich erst im Aufbau, hieß es diese Woche aus dem Arbeitsministerium. Ende vergangenen Jahres hätten die Anbieter insgesamt 268.000 Riester-Rentnerinnen und -Rentner gemeldet, denen sie regelmäßig Renten zahlten. Inzwischen werden es deutlich mehr sein. Man kann also davon ausgehen, dass insgesamt schon heute mehr Menschen eine Riester-Rente beziehen als Magdeburg oder Erfurt Einwohner haben. Vielleicht sind es sogar schon die 300.000, die heute in Bonn oder Münster leben.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das sind aber lange noch nicht alle, die aus dem staatlich geförderten System schon Geld erhalten haben. Einige Hunderttausend Riester-Rentner hatten bis zum Ruhestand Summen gespart, die klein genug waren, dass sie sich den Betrag auf einen Schlag auszahlen lassen konnten.

Der Gesetzgeber hat dafür im Sozialgesetzbuch (Paragraf 18 SGB IV) eine monatliche Höchstrente festgelegt, die jedes Jahr ein wenig angehoben wird. Wer diese Höchstrente zu Rentenbeginn nicht überschreitet, kann statt der Auszahlung einer Kleinbetragsrente die Einmalzahlung wählen. 2019 liegt diese monatliche Kleinbetragsgrenze bei 31,15 Euro.

  • Beim größten Riester-Anbieter Union Investment mit 1,8 Millionen Verträgen bekommen rund 30.000 Sparer eine Rente, genauso viele haben sich das Geld bislang auszahlen lassen.
  • Bei der AachenMünchener Versicherung (1,4 Millionen Verträge) bekommen 27.300 Riester-Sparer schon eine Rente, 35.500 haben sich mit der Kleinbetragsrente abfinden lassen.
  • Auch bei der R+V Versicherung und der Deutsche-Bank-Tochter DWS haben bislang mehr Riester-Rentner die Kleinbetragsvariante gezogen als die monatliche Rente.

Die Frage nach der Steuer

Stellt sich nur eine Frage: Wie ist das mit den Steuern? Denn die Einzahlungen in die Riester-Rentenverträge waren ja steuerfrei, Auszahlung im Rentenalter sind deshalb zu versteuern. Und wer in seinem letzten Jahr Erwerbstätigkeit zum Beispiel 40.000 Euro verdient und dann noch mal 10.000 Euro Einmalbetrag für die Riester-Rente dazubekommt, würde steuerlich ganz schön zur Kasse gebeten.

Dafür hat der Gesetzgeber allerdings die Möglichkeit einer weichen Landung gefunden. Seit Anfang 2018 können Riester-Sparer ihre Kleinbetragsrente mit dem Segen des Finanzamts ins erste volle Rentenjahr schieben; also in das Jahr, in dem sie nicht mehr die 40.000 Euro Einkommen versteuern müssen, sondern vielleicht nur noch 18.000 Euro gesetzliche Rente, von der ein Teil zudem steuerfrei ausgezahlt wird.

Zusätzlich darf der Riester-Steuerzahler seine Abfindungssumme auch noch fünfteln, also für die Festlegung des Steuersatzes so tun, als ob er nur ein Fünftel der Auszahlung bekommen hätte. Für dieses Fünftel wird dann die Steuer ausgerechnet und für die ganze Summe dann einfach mit fünf multipliziert. Fallen für die ersten 2000 Euro etwas mehr als 300 Euro Steuern an, werden es auch für 10.000 Euro insgesamt nicht mehr als 1500 bis 1600 Euro. Die Wirkung der Steuerprogression wird durch diese Fünftelregelung gebremst.

Wichtig für alle angehenden Riester-Rentner: Wenn die Kleinbetragsrente für Sie infrage kommt, vereinbaren Sie mit Ihrem Riester-Anbieter, dass die Summe erst im Jahr nach Eintritt in den Ruhestand gezahlt wird - und sparen Sie so eine Menge Steuern.

Noch wichtiger ist eine solche Vereinbarung für eine zweite Gruppe von Riester-Rentnern. Nämlich für die, die eine höhere Rente bekommen, sich aber trotzdem einen Teil davon gleich zu Beginn auszahlen lassen wollen.

Auch das geht: Wer in Rente geht, darf 30 Prozent der Summe, die er in seinem Riester-Vertrag angespart hat, auf einmal entnehmen. Nur der Rest wird dann als monatliche Rente ausgezahlt. Wenn im Riester-Vertrag beispielsweise 40.000 Euro angekommen sind, dürfte man also 12.000 Euro entnehmen. Die verbleibenden 28.000 Euro würde der Anbieter dann heranziehen, um eine monatliche Rente bis zum Lebensende zu berechnen.

Sowohl auf die 12.000 Euro Einmalzahlung als auch die dann etwas geringeren monatlichen Riester-Rentenzahlungen ist der persönliche Steuersatz fällig. Schließlich profitierten Riester-Sparer während der Ansparphase von staatlichen Zulagen und möglicherweise höheren Sonderausgaben. Auch in diesem Fall ist es günstiger, die Auszahlung der ersten großen Rate und damit den Start der Riester-Rente insgesamt ins Jahr nach dem Ruhestandsbeginn zu verschieben.

Es ist in diesem Fall sogar noch wichtiger. Die 30-Prozent-Entnahme darf man nämlich nicht fünfteln, es fällt also ein höherer Steuersatz an als bei der Kleinbetragsrente. Wer im Jahr des Ruhestandbeginns statt der 40.000 Euro dann 52.000 Euro versteuern müsste, verliert als Single schnell 3000 Euro oder mehr an Steuern. Das könnte man im Folgejahr, dem ersten vollen Jahr mit Rente und ohne Gehalt, deutlich drücken.

Nehmen Sie die Anbieter beim Wort

Aktuell machen bei den Versicherungskunden von R+V, Provinzial oder AachenMünchener bis zu 20 Prozent der Riester-Rentner von der Möglichkeit einer Einmalzahlung Gebrauch, bei der Fondsgesellschaft Union Investment sind es 30 Prozent, bei der Fondsgesellschaft DWS sogar 62 Prozent.

Die Chance, ihre Rentenzahlung durch eine Verschiebung nur um ein paar Monate möglichst wenig geschmälert zu bekommen, ist dennoch vielen Riester-Sparern noch nicht klar. Die meisten Unternehmen haben mir diese Woche geschrieben, dass Sie dies für Ihre Kunden möglich machen.

Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie bald einen Riester-Vertrag ausgezahlt bekommen, nehmen Sie die Anbieter beim Wort.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
christianwitten 12.10.2019
1. Sehr gute Tipps
Gratulation Herr Tenhagen, die Möglichkeiten zur Optimierung von Auszahlungen aus der Riesterrente werden hier sehr leicht verständlich aufgeführt. Auch heute noch macht die Riesterrente Sinn wegen der Garantie der gezahlten Beiträge incl. der Zulagen. Die steuerliche Absetzbarkeit verschiebt die Versteuerung aus dem Erwerbsleben ins überwiegend vom Einkommen her niedrigen Lebensphase. Da sind auch vor dem Hintergrund der sehr schlecht für den Kunden aufgelegten Sterbetafeln doch Gewinne möglich. Und Zusatzrentenbausteine benötigt zumindest jeder Arbeitnehmer.
citizen_k 12.10.2019
2. Riester, Bluff und Hütchenspiel
Da wird mal wieder etwas schöngeredet, was von Anfang an nur für den Aderlaß der Arbeitnehmerschaft bestimmt war. Zwanzig Jahre Riester und fast 300000 Rentenbezieher, das sind schon Trump'sche Welten des Erfolgs. Ich meine: Die Riesterrente die ist Mist, wenn du nicht Walter Riester bist, genug im Alter, hat bestimmt der Riester, Walter. Ein immer als so reiches Land hingestellte Deutschland müsste neben der üppigen Versorgung der Beamten auch ein hohes Rentenniveau staatlich organisieren können. Auch die Medien verschweigen gerne, dass Österreich ein um 40 Prozent höheres Rentenniveau (14! Auszahlungstermine) und die berufsständischen Versorgungssysteme weitgehend abgeschafft hat.
53er 12.10.2019
3. Ich hatte beim Lesen,
des Artikels das Gefühl, dass Riester-Rentner hier eher veräppelt, denn beraten werden sollen. Wer soll denn von solch armseligen Auszahlungssummen leben, außer die Versicherung und ihre ADM´s? Das reicht jedenfalls als Aufpolsterung der gesetzlichen Rente hinten und vorne nicht, nach Steuern wohlgemerkt. Ein herzlicher Dank an das Team Schröder und natürlich auch an unsere Kanzlerin. Wann endet ihre Amtszeit?
dagmar1308 12.10.2019
4. Ich habe meinen Vertrag sofort
gekündigt, als wegen dem Rentenbeginn der meiner Frau "fällig" wurde. Genau durchdacht gibt es einen hohen Einzahlungsbetrag als Wette auf das Leben. Da bin ich besser mit meinen Sparanlagen gefahren. Natürlich sinnvoll angelegt und die "Berater" völlig außen vor gelassen. Die Finanzhaie nennen sich so. Riester Verträge rentieren sich, allerdings wirklich nicht alle Arten, für Kleinverdiener und so lange Kinder noch auf der Steuerkarte stehen. allerdings ist die Rente später nicht der Hammer. Nur die Rendite auf das selbst eingezahlte Geld stimmt. Das kann man auch mit vernünftigem Einkauf auf der Ausgabenseite im Alltag erreichen. Beispiel: Lieblingsobstsaft sonst 1,59. Alle 4-6 Wochen gibt`s den für 88-99 Cent. Also 15-20 Liter kaufen. Die Rendite auf den größeren Vorrat über eine Woche ist astronomisch heutzutage.
dagmar1308 12.10.2019
5. Die Krankenversicherung
wird ab ca. 140 Euro Rente aufwärts dann aber auch fällig. Bin mit Riester und Pensionskasse knapp darunter. Sonst ist bei isolierter Betrachtung die Rendite beschämend.
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