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23. Januar 2009, 08:59 Uhr

Risiko-Auslagerung

WestLB will sich aufspalten

Die WestLB baut sich radikal um: Die Landesbank plant Zeitungsberichten zufolge, Vermögenswerte von bis zu hundert Milliarden Euro in eine Abwicklungsgesellschaft auszulagern - vor allem riskante Papiere. Das zurechtgestutzte Geldhaus soll so attraktiv werden für Fusionspartner.

Frankfurt am Main - Die angeschlagene WestLB soll über die Gründung einer neuen, externen Gesellschaft aufgespalten werden. In diese zweite Bank mit dem Arbeitstitel "Konsolidierungsbank" kommen einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge alle Vermögensteile, die zukünftig nicht mehr zum Kerngeschäft zählen. Dabei handele es sich auch um risikoreiche Wertpapierbestände im Volumen von gut 80 Milliarden Euro.

WestLB in Düsseldorf: Abwicklungsgesellschaft für Risikopapiere
DDP

WestLB in Düsseldorf: Abwicklungsgesellschaft für Risikopapiere

Auch die "Financial Times Deutschland" berichtet von solchen Plänen und beziffert das Volumen unter Berufung auf Eignerkreise auf eine Summe von 70 bis 100 Milliarden Euro. Der Betrag sei viel höher als die bisher erwarteten 50 Milliarden Euro. Entsprechende Vorschläge für eine Auslagerung in eine externe Abwicklungsgesellschaft habe der WestLB-Vorstand am Mittwoch seinen Eigentümern unterbreitet, vor allem dem Land Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen.

Nur wenn die Kernbank geschrumpft werde und einigermaßen gesund sei, könne es zu Fusionen unter den noch sieben eigenständigen Landesbanken kommen, sagten Finanz-Insider der Zeitung. Die WestLB, die gemäß einer Forderung der EU-Kommission dringend einen neuen Mehrheitseigner braucht, könne durch eine Auslagerung von Portfolios attraktiver für potentielle Fusionspartner werden, schreib die "Financial Times Deutschland". Dazu zählen vor allem die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die Deka. Mit dem Sparkassenfondsanbieter Deka laufen seit Monaten Verhandlungen. Die Frankfurter Bank ist vor allem an der Übernahme des Kapitalmarktgeschäfts der WestLB interessiert.

Wie das "Handelsblatt" weiter schreibt, verbleiben in der alten WestLB nur die Geschäftsbereiche Kapitalmarkt, Mittelstandsfinanzierung und das Firmenkundengeschäft. Als "Fusionsbank" solle sie dann Kurs nehmen auf eine Zusammenlegung mit der DekaBank und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Forderungen nach Absicherung der Soffin

Ein Sprecher der Landesbank sagte am Donnerstagabend, das Institut befinde sich "in Überlegungen, die Landesbankenkonsolidierung durch die Herauslösung nicht-stragegiekonformer Vermögensteile weiter voranzutreiben". Hierzu befinde sie sich in Gesprächen mit den Eigentümern. Daher seien Einzelheiten möglicher Strukturen noch in der Diskussion.

Knackpunkt der neuen Konstruktion ist den Berichten zufolge die Finanzierung und Kapitalausstattung für die abgespaltene neue Bank. Der Rettungsfonds Soffin soll sich nach Angaben aus dem Eigentümerkreis maßgeblich an dem Projekt beteiligen, schreibt das "Handelsblatt". "Es kann doch nicht sein, dass der Bund die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank unterstützt und die Landesbanken außen vor bleiben", hieß es mit Blick auf die Eigenkapitalspritze von 18,2 Milliarden Euro für die Commerzbank. "Wir erwarten, dass der Soffin auch die Konsolidierung unter den Landesbanken endlich forciert", sagten Bank-Insider.

Die Eigentümer der WestLB wollten in Kürze den Kontakt zum staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin suchen. Der Plan solle in der Aufsichtsratssitzung der WestLB am 6. Februar diskutiert werden. Der Soffin war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

Laut "Financial Times Deutschland" droht die Auslagerung teuer zu werden. Die neue Bank brauche Eigenkapital in Milliardenhöhe und womöglich Garantien von den Eignern - für die die Sache nicht ohne Risiko sei: Abwicklungsgesellschaften für schwedische Banken in den neunziger Jahren machten Verluste.

phw/AP/Reuters/ddp

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