Riskante Anlage Schwede managt den weltweit einzigen Irak-Fonds

Björn Englund war schon Uno-Soldat und Politiker - gute Voraussetzungen für seine jetzige Aufgabe. Der Schwede ist für den weltweit einzigen Irak-Fonds verantwortlich.

Von Malte Dreher


"Ich bin ein perfektes Ziel – groß, blond und blaue Augen." Björn Englund besucht sein Büro in Bagdad nur selten. Es liegt außerhalb der schwer bewachten "Grünen Zone", ganz in der Nähe eines ehemaligen UN-Gebäudes, das durch einen Bombenanschlag vor fünf Jahren halb zerstört ist. Wenn Englund im Irak ist, wagt er sich nur ins Büro in Erbil in Kurdistan, dem relativ sicheren Norden des Landes.

Fondsmanager Englund: Gefahr liege ihm "im Blut", sagt er

Fondsmanager Englund: Gefahr liege ihm "im Blut", sagt er

Englund ist 40 Jahre alt, und Gefahr liegt ihm nach eigenen Angaben "im Blut". Zwei Jahre war er Blauhelmsoldat für die Vereinten Nationen. Im Libanon war der Schwede am Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs stationiert und 1991 während des ersten Golfkriegs im Irak und in Kuwait. Auf der politischen Bühne trat er als Mitglied der liberalen Folkpartiet gegen die schwedischen Sozialdemokraten an. Englund ist auch Gründer und Hauptaktionär von Godvig Capital Management, einer Fondsgesellschaft, die ihren Sitz auf den britischen Jungferninseln hat. Mitte 2006 legte der Schwede den Babylon Fonds auf; den weltweit einzigen Irak-Fonds.

Irak-Fonds: Fast ein Hedge-Fonds

13 Millionen US-Dollar sind aktuell in dem Fonds investiert. Ein Großteil kommt von einem skandinavischen Pensionsfonds, der Rest von vermögenden Privatanlegern. Mindestens 100.000 Dollar müssen diese investieren, und auch sonst weist der Fonds typische Merkmale eines Hedge-Fonds auf: Einzahlungen sind nur einmal im Monat möglich, Auszahlungen nur einmal im Quartal, die Erfolgsvergütung für Englund beträgt 20 Prozent der jährlichen Wertentwicklung. Hinzu kommen landestypische Risiken, die so Englund "nur die wirklich harten Emerging-Markets-Kerle" in Kauf nehmen: eine prekäre Sicherheitslage, hohe Korruption und Betrug sowie ein illiquider Markt.

Erst seit 2004 ist die irakische Börse (ISX) wieder geöffnet. Anfangs wurde aus dem Hinterzimmer einer Gaststätte gehandelt, heute in einem gesicherten Bürohaus – drei Tage die Woche für jeweils zweieinhalb Stunden. Optimistisch ist Englund jedoch allemal: "Wenn die Erträge über einen Zeitraum von sieben Jahren nicht bei durchschnittlich 30 Prozent jährlich liegen, bin ich enttäuscht."

Nur von gut einem Viertel der knapp 100 an der ISX notierten irakischen Unternehmen, hauptsächlich Banken, sind Aktien in einem nennenswerten Volumen handelbar. Der Gesamtmarkt ist lediglich 2 Milliarden Dollar schwer. Daher setzt sich das Babylon-Portfolio nur zu 30 Prozent aus irakischen Aktien zusammen. 50 Prozent sind in internationale und lokale Irak-Anleihen und ein paar Private-Equity-Deals investiert. Der Rest geht in Aktien von Unternehmen, die ein starkes Irak-Geschäft haben und größtenteils in den Nachbarländern sitzen.

Doch die Voraussetzungen für höhere Investitionen sind da: Nach Ende des Irak-Kriegs strömt Kapital in das Mittelstromland. Bis Ende 2007 betrug die internationale Wirtschaftshilfe 33 Milliarden Dollar.

Vorsorge: Immobilienkauf im Irak

"Ich wünsche mir, es gäbe eine Pipeline von der Wall Street in den Irak, keine vom Irak nach Texas", sagt Englund und lässt auch gleich wissen, was er von der US-Außenpolitik hält. "Sie exportieren ihr Militär und importieren religiöse Fanatiker." Geld von US-Anlegern ist derzeit nicht im Babylon Fonds.

Doch Englund hat schon Pläne für die Zukunft: Wenn die Marktkapitalisierung an der irakischen Börse weiter steigt, will er einen reinen Standardwerte-Fonds auflegen. Und er glaubt nicht nur an den irakischen Aktienmarkt: Für 100.000 Dollar hat er sich jüngst ein Apartmenthaus in Basra gekauft.

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