Riskante Spekulationsgeschäfte Stadt Hagen will Deutsche Bank verklagen

Hagen ist ohnehin hochverschuldet - jetzt droht aus Spekulationsgeschäften auch noch ein 50-Millionen-Euro-Verlust. Schuld an dem Desaster ist der Stadt zufolge die Deutsche Bank. Sie habe bei den Geschäften schlecht beraten. Nun soll das Geldinstitut verklagt werden.

Hagen - Verhandlungen mit der Deutschen Bank führten zu keiner Einigung, jetzt will Hagen klagen, wie ein Sprecher der Stadt erklärte. Der Stadtrat wirft dem Geldinstitut vor, Hagen nicht ausreichend über die Risiken des Geschäfts aufgeklärt zu haben. Mit der Klage solle nun der mögliche Schaden von rund 50 Millionen Euro deutlich minimiert werden.

So genannten Swap-Geschäften wurden Hagen zum Verhängnis. Dabei wird auf die künftige Entwicklung von Zinssätzen spekuliert, es ist eine Art Wette. Hagen wollte mithilfe der riskanten Geschäfte die Zinszahlungen für langfristige Kredite mit einem Volumen von insgesamt 170 Millionen Euro deutlich verringern. Die Zinsentwicklung lief jedoch anders als erhofft. Wie viel Geld deshalb letztendlich verloren gehen wird, ist noch unklar, die Geschäfte laufen noch bis 2010. Doch die Verantwortlichen in Hagen zittern - denn wegen der weltweiten Kreditkrise ist die künftige Zinsentwicklung vollkommen unvorhersehbar. Im Juni vereinbarte die Stadt mit der Bank nachträglich wenigstens noch eine Verlustobergrenze. Demnach kann der Gesamtverlust nun rund 50 Millionen Euro nicht mehr überschreiten.

Die Deutsche Bank wehrt sich gegen die Vorwürfe der Stadt. "Wir haben umfangreich beraten und ausführlich auf alle Chancen und Risiken der Geschäfte hingewiesen", sagte ein Sprecher in Frankfurt. Weitere Angaben machte er nicht. Gegen die Deutsche Bank sind wegen ähnlicher Geschäfte bereits mehrere Klagen von Kommunen und Unternehmen anhängig. So fordert etwa in Würzburg die kommunale Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) nach Millionenverlusten 2,6 Millionen Euro Schadensersatz.

Für Hagen sind die drohenden Verluste besonders schlimm. Die Stadt drückt schon eine Schuldenlast von rund 850 Millionen Euro. Wegen der angespannten Haushaltslage lässt sie sich vom kommenden Jahr an von einem externen Berater helfen. Der Stadtrat wählte gestern Abend den Finanzexperten Stefan Bajohr zum so genannten Mentor. Er soll die Stadt mehrere Jahre lang unterstützen, ihre finanzielle Handlungsfähigkeit wieder zu gewinnen. Bajohr ist derzeit noch Gruppenleiter im NRW-Ministerium für Bauen und Verkehr. Von 1995 bis 2000 saß er für die Grünen im Düsseldorfer Landtag.

ase/dpa-Afx

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.