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Warnung vor Zehntausenden Firmenpleiten Händler schicken Brandbrief an Habeck

Die Inflation auf Höchststand, die Kaufkraft am Boden, Energie so teuer wie nie: Im Einzelhandel bricht Panik aus. Händler beschreiben die Lage als »schlichtweg existenzbedrohend« und rufen nach der Bundesregierung.
aus DER SPIEGEL 40/2022
Passanten in Berlin: Es wird düster

Passanten in Berlin: Es wird düster

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Die »explodierenden Energiekosten« machen es immer mehr Einzelhändlern offenbar unmöglich, kostendeckend zu wirtschaften. Die Lage sei »schlichtweg existenzbedrohend«, schreibt der Handelsverband Deutschland (HDE) in einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck  (Grüne).

16.000 Geschäfte stünden in diesem Jahr vor dem Aus, im kommenden Jahr dürfte sich der »Negativtrend fortsetzen«. Grund: Die Energiekosten im Handel seien seit Jahresbeginn durchschnittlich um 147 Prozent gestiegen. Sie machten derzeit fast drei Prozent des Umsatzes aus, 2023 rechnet der Verband mit nahezu fünf Prozent.

Schon heute, argumentieren HDE-Präsident Josef Sanktjohanser und Geschäftsführer Stefan Genth, lägen die erwirtschafteten Überschüsse in vielen Bereichen jedoch darunter: Bei Bekleidung  arbeite man mit einem Betriebsergebnis von 2,1 Prozent des Umsatzes, bei Schuhen gar mit minus 1,2 Prozent derzeit »an der Grenze der Wirtschaftlichkeit«. Selbst im Lebensmittelhandel liege die zu erzielende Rendite bei nur zwei bis vier Prozent des Umsatzes.

Zahlreiche Unternehmen würden so »in die Verlustzone geraten«. Eine Weitergabe der steigen­den Energiekosten an die Kunden sei »angesichts des dramatischen Kaufkraftverlustes der privaten Haushalte« kaum machbar. Die Inflationsrate lag hierzulande im September bei zehn Prozent.

Der Handelsverband fordert von Habeck nun Maßnahmen, um »ruinösen Belastungsspitzen« zu begegnen: die »maximale Ausweitung des Energieangebots«, einen temporären Strompreisdeckel sowie eine Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Minimum und »wirksame Härtefallhilfen«. Am Donnerstag hatte die Bundesregierung neue Maßnahmen im Kampf gegen hohe Gaspreise vorgestellt.

Aus: DER SPIEGEL 40/2022

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