Wechsel von Burda Robert Schneider wird neuer »Bild«-Chefredakteur

Ein knappes Jahr lang leitete Johannes Boie die wichtigste Boulevardzeitung Europas. Nun bekommt er nach SPIEGEL-Informationen einen Co-Chef zur Seite gestellt: »Focus«-Chefredakteur Robert Schneider.
Noch »Focus«-Chefredakteur: Robert Schneider

Noch »Focus«-Chefredakteur: Robert Schneider

Foto: Uwe Toelle/ dpa

Nach nur einem Jahr unter der Leitung von Johannes Boie wird die »Bild«-Spitze personell umgebaut. Neuer Chefredakteur von Europas größtem Boulevardblatt wird nach SPIEGEL-Informationen Robert Schneider, derzeit Chefredakteur des »Focus«.

Boie selbst soll laut SPIEGEL-Informationen Vorsitzender der Chefredaktion bleiben, Schneider werde an ihn berichten, heißt es aus dem Springer-Verlag. Offiziell will man sich auf Nachfrage »nicht zu Personal-Spekulationen« äußern. Das betrifft auch die Zukunft von Alexandra Würzbach und Claus Strunz, die derzeit gemeinsam mit Boie in der Chefredaktion sitzen. Intern ist von einer möglichen Ablöse der beiden Manager zu hören, ein Sprecher will dazu nichts sagen.

Die Entscheidung kommt überraschend, schließlich hatte der Axel-Springer-Verlag große Hoffnungen in Boie gesetzt. Als er im Oktober vergangenen Jahres Chefredakteur von »Bild« wurde, übernahm er eine Redaktion im Ausnahmezustand. Er kam als »Krisenmanager«, wie er es gegenüber dem SPIEGEL ausdrückte. Sein Vorgänger Julian Reichelt war über Vorwürfe des Machtmissbrauchs und Affären mit Mitarbeiterinnen gestolpert, die Unternehmenskultur war zerrüttet – nach außen wie nach innen.

Besseres Klima, schwacher Boulevard?

Diese Rolle erfüllte Boie, innerhalb kurzer Zeit wurde das Arbeitsklima bei »Bild« besser, wie interne Umfragen bestätigten. Kritik traf den Chefredakteur an anderer Stelle, nämlich inhaltlich. Von Anfang an zweifelten viele in der Redaktion daran, ob er den Boulevardjournalismus beherrscht.

Er hatte in seiner Karriere nie Boulevard gemacht, war nie Polizei- oder Klatschreporter. Vor »Bild« arbeitete er als Kulturredakteur bei der »Süddeutschen Zeitung« und leitete die »Welt am Sonntag« als Chefredakteur. Schlechte Voraussetzungen für krawallige Schlagzeilen.

Intern hieß es bei »Bild«, der Chef sei ein netter Mensch, aber es fehle ihm an einer nachvollziehbaren journalistischen Strategie (Ein Porträt finden Sie hier. ). Im November verkündete Boie de facto das Ende der Liveberichterstattung im Fernsehsender »Bild«, als Folge schlechter Quoten und hoher Kosten. In der Redaktion rätseln seither viele, wie es mit dem Bewegtbild weitergehen soll.

Ablöse an der Spitze

Im selben Monat stolperte der Chefredakteur mit einem übereifrigen Kommentar zum Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet. Während andere Medien noch vorsichtig berichteten, kannte Boie bereits den Verantwortlichen: »Die russische Armee hat Polen bombardiert«, schrieb er, die Nato müsse »hart zurückschlagen«. Kurz darauf stellte sich heraus: Die Explosionen waren eine Folge der ukrainischen Flugabwehr. Schneider soll es nun offenbar besser machen.

Für den gebürtigen Leipziger ist der Karrieresprung auch eine Art Heimkehr: Schneider hatte seine Karriere einst bei der »Bild«-Zeitung begonnen, wurde in jungen Jahren Ressortleiter. Später leitete er als stellvertretender Chefredakteur die Berliner Tageszeitung »B.Z.« und die »Bild am Sonntag«, die ebenfalls im Springer-Verlag erscheinen.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.